Jacques Tardi ist vor allem für zweierlei bekannt: Literaturadaptionen und politische Themen. Meist treffen seine beiden Spezialitäten auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt zusammen: In den Weltkriegen ebenso wie den Kriegen im Alltag, die in der Literaturform des Krimis ihre Heimat gefunden haben …

Letzteres trifft auf Tardis neuestes Werk „Killer stellen sich nicht vor“ zu. Nach dem Kriminalroman von Jean-Patrick Manchette von 1977, der bereits 1980 mit Alain Delon in der Hauptrolle verfilmt wurde, erzählt Tardi von Georges Gerfaut, der durch einen Zufall in eine mörderische Geschichte verwickelt wird.
Die Grundstimmung ist, wie meist bei Tardi, lakonisch, so auch der Protagonist. Gerfaut beobachtet einen vermeintlichen Autounfall, der in Wahrheit ein Mordversuch ist. Als Zeuge lebt er fortan gefährlich, erlebt auf der Flucht unfreiwillig eine einjährige Odyssee durch Frankreich, scheint sein Schicksal, den Ausbruch aus der bürgerlichen Existenz, aber auch zu genießen. Gerfaut bleibt bis zuletzt ein undurchsichtiger Charakter. Ebenso verwirrend wie die gesamte Handlung um Gerfaut, die beiden Killer, die ihm auf den Versen sind, und deren Auftraggeber, ein ehemaliger Folterknecht der Dominikanischen Republik. Nicht nur durch diese letzte, direkte Verbindung dringt das Politische in den Comic ein. Tardis Schilderung der Charaktere betont stets sehr bewusst ihren sozialen Kontext, deren Summe ergibt wiederum ein genau gezeichnetes Zeitkolorit. Politik und Soziales sind hier nicht wie in seinen großen Werken „Die Macht des Volkes“ oder „Grabenkrieg“ explizit Thema, aber dennoch omnipräsent. Auch in der rohen Gewalt, die Tardi in eruptiven Ausbrüchen schildert, und die immer von einem trockenen Humor begleitet wird. Überhaupt: Humor ist immer ein Bestandteil in Tardis Welt und seine Art, mit dem Schrecken umzugehen. Auch wenn es manchmal nur um kulturelle ‚Gewalt’ geht: „Hast du den Fuller im Fernsehen gestern Abend gesehen? Synchronisiert, diese Ärsche!“.
(Edition Moderne, 80 Seiten, S/W, Hardcover, 17,50 €)
Zuerst erschienen in Strapazin #86, 3/07

