Trotz der Thematik ist kaum zu erwarten, dass mit Céline Fraiponts und Pierre Baillys (Autoren der Kindercomic-Reihe „Kleiner Strubbel“) Graphic Novel „Die Mauer“ ein jugendliches Publikum bzw. Leserinnen im Alter der Protagonistin anvisiert werden. Zu düster, zu traurig für Dreizehnjährige, denkt man spontan. Die 13-jährige Rosie ist mir den Gefühlswirren der Pubertät völlig allein gelassen – und das darf man durchaus wörtlich nehmen, denn Rosie lebt tatsächlich so gut wie alleine „„Die Mauer“ von Céline Fraiponts und Pierre Baillys“ weiterlesen
Entfremdetes Puppengesicht„Anomalisa“ von Duke Johnson & Charlie Kaufman
Bislang schneidet der neue Film von Charlie Kaufman bei der internationalen Filmkritik extrem gut ab. Das ist bei einem Kritikerliebling wie Kaufman, der mit seinen Drehbüchern zu Filmen wie „Being John Malkovich“ (1999), „Human Nature“ (2001), „Adaption“ (2002), „Confessions of a Dangerous Mind“ (2002) oder „Vergiss mein nicht!“ (2004) von Regisseuren wie Michael Gondry oder Spike Jonze regelmäßig für Begeisterung gesorgt hat, nicht so ungewöhnlich. Doch die Einstimmigkeit, mit der der Lobgesang anhebt, ist sogar für einen Charlie-Kaufman-Film erstaunlich. Zumal es sich um einen klassischen Puppenfilm handelt. „Entfremdetes Puppengesicht„Anomalisa“ von Duke Johnson & Charlie Kaufman“ weiterlesen
Kriegsschauplätze„Dämonen und Wunder – Dheepan“ von Jacques Audiard
Ein Flüchtlingslager in Sri Lanka: Hier sucht sich die junge Yalini (Kalieaswari Srinivasan) das Waisenmädchen Illayaal (Claudine Vinasithamby), um gemeinsam mit dem Soldaten Dheepan (Jesuthasan Antonythasan) eine Zweck-Familie zu bilden. „Kriegsschauplätze„Dämonen und Wunder – Dheepan“ von Jacques Audiard“ weiterlesen
Der gute Ruf der Firma„El Club“ von Pablo Larraín
In einem kleinen Dorf an der Küste Chiles steht ein Haus. Darin wohnen vier ältere Männer. In ihrer Mitte ist eine Frau, die den Haushalt besorgt und den korrekten Tagesablauf überwacht. Denn das Leben derer, die hier wohnen, läuft nach strengen Regeln ab: Frühstück, Mittag- und Abendessen, Freizeit, Verhaltensregeln außerhalb des Hauses – all das ist streng geregelt. Auch die Gebete, der Gesang und die Messe. Denn in diesem Haus wohnen Priester. Es ist ein Ort des Rückzugs. Doch freiwillig ist niemand von ihnen hier. „Der gute Ruf der Firma„El Club“ von Pablo Larraín“ weiterlesen
Charles Burns: „X“ / „Die Kolonie“ / „Zuckerschädel“ – Trilogie
Zehn Jahre lang hat Charles Burns an seinem Opus Magnum „Black Hole“ gearbeitet. Das über 300-seitige Werk ist eine sowohl bedrückende wie berauschende Allegorie auf die Wirren der Pubertät, angesiedelt im Californien der 70er Jahre. Die Körperveränderungen werden bei Burns zu monströsen Deformationen, das Teenagerdasein gleicht einer Krankheit, die einen zu einem Leben als Aussätzigen verdammt. Auch zehn Jahre nach „Black Hole“ sind Pubertät und Teenage Angst Charles Burns‘ Themenschwerpunkt: Seine neue Trilogie führt uns in ein ähnliches Szenario wie in „Black Hole“ „Charles Burns: „X“ / „Die Kolonie“ / „Zuckerschädel“ – Trilogie“ weiterlesen
Mit klarem Blick„The Look of Silence“ von Joshua Oppenheimer
Deutschland, 1985 – ein Dreh für einen Dokumentarfilm: Der Bruder eines im Dritten Reich ermordeten Juden sitzt vor dessen Mörder und fragt nach den Hintergründen der Tat. Der Täter gibt bereitwillig Antwort und brüstet sich auch noch mit seiner Brutalität. „Mit klarem Blick„The Look of Silence“ von Joshua Oppenheimer“ weiterlesen
Fremd im eigenen Land„Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume
„Wenn ich mein Dienstzimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland“, hat der jüdische Jurist Fritz Bauer einmal gesagt. Er hat diesen Satz nicht in den späten 20er oder frühen 30er Jahren ausgesprochen, nachdem er zum jüngsten Amtsrichter im Deutschen Reich aufgestiegen war. Er hat ihn in der Nachkriegszeit gesagt. „Fremd im eigenen Land„Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume“ weiterlesen
„Hilda …“ von Luke Pearson
Der Berliner Verlag Reprodukt hat vor einiger Zeit eine scheinbare Tautologie in ihr Programm aufgenommen: Kindercomics. Aber es ist lange her, dass man unwidersprochen Comics mit Kinderkram gleichsetzen konnte „„Hilda …“ von Luke Pearson“ weiterlesen
„Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ von Alejandro González Iñárritu
Hektisches Treiben hinter der Bühne, chaotische Zustände in der Garderobe, angespannte Nervösität im Ensemble – willkommen bei einer turbulenten Theaterproduktion am Broadway „„Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ von Alejandro González Iñárritu“ weiterlesen
„Frau Müller muss weg“ von Sönke Wortmann (Interview)
„Der Film kommt aus dem „Ghetto“ des Kammerspiels heraus“
Herr Wortmann, bei „Frau Müller…“ haben sie zuvor auch Regie am Theater geführt. Wie verhält sich ihre Theaterversion zur Vorlage von Lutz Hübner, und wie verhält sich ihre Theaterversion zu ihrer Filmadaption?
Sönke Wortmann: Für mich sind die Dialoge eine große Stärke des Theaterstücks. „„Frau Müller muss weg“ von Sönke Wortmann (Interview)“ weiterlesen
Interview mit Christian Petzold zu „Phoenix“
„Deharbeiten sind hoch intensiv“
Herr Petzold, man rechnet ihre Arbeit zur Berliner Schule. Die gilt als eher spröde Gegenwartsbeobachtung. Mit ihrem letzten Film „Barbara“ und nun mit „Phoenix“ tauchen sie mit melodramatischem Ton in die deutsche Geschichte ein. Wie kommt es zu diesem neuen Interesse an der deutschen Vergangenheit?
Christian Petzold: Als die Berliner Schule mit Retrospektiven und Werkschauen gefeiert wurde, und ich mich selber schon halb im Museum stehen sah, habe ich meine alten Filme noch mal angesehen. „Interview mit Christian Petzold zu „Phoenix““ weiterlesen
„Jane, der Fuchs und ich“ von Fanny Britt & Isabelle Arsenault
Hélène durchlebt in der Schule täglich den Horror: Heute würde man das neudeutsch Mobbing nennen, was ihre Mitschüler dem angehenden Teenager antun. Von ihren ehemaligen Freundinnen wird sie nicht nur gemieden, sondern regelrecht schikaniert. „„Jane, der Fuchs und ich“ von Fanny Britt & Isabelle Arsenault“ weiterlesen
„Zeit der Kannibalen“ von Johannes Naber (INTERVIEW)
Öllers (Devid Striesow) und Niederländer (Sebastian Blomberg) sind zwei abgebrühte Unternehmensberater, die durch die Luxushotels der dritten Welt reisen und mit wenigen Worten ganze Firmen umorganisieren, umsiedeln oder gleich in den Ruin stürzen. „„Zeit der Kannibalen“ von Johannes Naber (INTERVIEW)“ weiterlesen
„Enemy“ von Denis Villeneuve
Anfangs- und Schlussszene von Denis Villeneuves Film „Enemy“ sind verstörend. Zu Beginn sehen wir eine Art Geheimbund, der sich zu einer erotischen Show trifft: Eine Frau bringt auf einem silbernen Tablett eine große Spinne auf die Bühne, dann drückt sie langsam mit ihren Highheels auf den Körper des Spinnentiers. „„Enemy“ von Denis Villeneuve“ weiterlesen
„Good Vibrations“ von Lisa Barros D’Sa & Glenn Leyburn
Ausgerechnet „Good Vibrations“ heißt ein Film über einen DJ im Nordirland der Siebziger, der inmitten der Straßenkämpfe Reggae und Punk auflegt.
„Nymphomaniac“ von Lars von Trier
Am 1. März ist der französische Nouvelle Vague-Regisseur Alain Resnais im Alter von 91 Jahren gestorben. Gerade noch hatte er, ebenso wie Lars von Trier, seinen neuen Film auf der Berlinale gezeigt. „„Nymphomaniac“ von Lars von Trier“ weiterlesen
„Love Steaks“ von Jakob Lass (INTERVIEW)
Der schüchterne, freundliche Clemens (Franz Rogowski) fängt gerade als Masseur in dem Ostseehotel an, die temperamentvolle Lara (Lana Cooper) arbeitet hier schon länger in der Küche. Nicht nur Laras Alkoholproblem bringt ungeahnte Dynamik in die Annäherung der beiden, die unterschiedlichen Charaktere kollidieren auch so heftig. „„Love Steaks“ von Jakob Lass (INTERVIEW)“ weiterlesen
„Beltracchi – Die Kunst der Fälschung“ von Arne Birkenstock (INTERVIEW)
Gut gelaunt erzählt der verurteilte Wolfgang Beltracchi in seinem Anwesen in Südfrankreich, wie er zum Gemäldefälscher wurde. Dass er damit viel Geld verdient hat, sieht man im Bildhintergrund. „„Beltracchi – Die Kunst der Fälschung“ von Arne Birkenstock (INTERVIEW)“ weiterlesen
„Mister X“ von Dean Motter
Mitte der 1980er-Jahre herrschte eine Aufbruchsstimmung in der Comic-Szene, die Underground und Mainstream für eine kurze Zeit auf ähnliche Weise erfasste: Alan Moore, Frank Miller und andere stellten im Mainstream verrückte Dinge an, während in Art Spiegelmans Comic-Magazin Raw so ziemlich jeder, der damals im Underground an der Erweiterung und Verfeinerung der Comic-Sprache arbeitete, veröffentlichte. „„Mister X“ von Dean Motter“ weiterlesen
„Le Passé – Die Vergangenheit“ von Ashgar Farhadi
Seine Filme wirken generell so unaufdringlich und beiläufig, dass man kaum wahrnimmt, auf was für eine Reise sie den Zuschauer nehmen. Es sind ganz alltägliche Szenen, die in ihrer Gesamtheit zu einer Art Wahrheitsfindungskrimi werden. Aber nicht nur das Aufdecken der Wahrheit wird in den Filmen minutiös begleitet, auch die Entstehung der Lüge erfährt eine genaue Analyse. „„Le Passé – Die Vergangenheit“ von Ashgar Farhadi“ weiterlesen





















