„Die Reise ins Glück“ von Wenzel Storch (Interview)

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Die Reise ins Kino

Nach 10 Jahren kommt Wenzel Storchs dritter Spielfilm „Die Reise ins Glück“ endlich ins Kino. choices sprach mit dem Regisseur über das Filmemachen und die deutsche Filmlandschaft.

Woher nimmst Du die Energie und Zuversicht, ein Projekt wie „Die Reise ins Glück“ über zehn Jahre lang mit nur spärlichen finanziellen Mitteln durchzuhalten …

 

 und jetzt sogar mit 10 Kopien in die Kinos zu bringen?

Eigentlich wollten wir ja nur ein Königsschloss und ein Schneckenschiff bauen und damit einen bescheuerten Film drehen. Aber dann hat das Ding angefangen, eine Eigendynamik zu entwickeln, und irgendwann waren 1.000 Quadratmeter bis unter die Decke zugebaut. Maschinenraum, Bordkino, hier noch ein Thronsaal, da noch ein Ballsaal – am Ende stand dann ein 60 Tonnen schweres Kulissendorf in einer Lagerhalle am Hildesheimer Hafen rum. Wenn’s mal soweit ist,  kann man nur noch weitermachen – egal wie. Da zu dem Film auch ein riesiger Schuldenberg gehört, bleibt eigentlich nix anderes, als den Film irgendwie in die Kinos zu bringen.  

Wie waren Deine Erfahrungen bei der Beschaffung finanzieller Förderung – von privater wie von staatlicher Seite. Gab es da Verständnis für einen derart ungewöhnlichen Film wie „Die Reise ins Glück“, oder wird das nur als Trash abgetan?

Am Anfang hatte ich eine kleine Glückssträhne und 4 Bundesländer bewilligten Geld für den Film. Als die Kulissen dann immer größer wurden und das Budget explodierte, habe ich nacheinander bei allen möglichen Förderungen angeklopft. Von denen wurde ich dann der Reihe nach abgelehnt. Am Ende konnte der Film nur durch Darlehen von Freunden und Bekannten fertig gestellt werden.  

Auf internationalen Festivals lief Dein Film bereits erfolgreich und erhielt auch schon Auszeichnungen – bei der Berlinale bist Du gleich dreimal abgelehnt worden. Ist es in Deutschland besonders schwierig, mit nur schwer einzuordnenden Filmen zu landen?

Mein Zeug ist denen wahrscheinlich zu schmuddelig, und den Cineasten gefällt nicht, dass ich mich nicht an ihre komischen Filmgesetze halte. Die Hofer Filmtage haben sich vor 10 Jahren mal bei mir beschwert, dass ich es wage, denen so einen Schrott wie „Sommer der Liebe“ anzubieten.  

Man kann Dich zu einer Generation von deutschen Filmemachern zählen, die in den 80er Jahren sehr billig und eigenwillig anfingen, Filme zu machen. Was unterscheidet Dich von ähnlich solitär stehenden Kollegen wie Christoph Schlingensief, Jörg Buttgereit oder auch Rainer Kirberg, wo siehst Du Parallelen?  

Das sind ja alles Leute, die aus dem deutschen Filmquark herausragen und die alle gute Gründe hatten, ihre Filme zu machen. Und diese Gründe sieht man den Filmen auch an. Solche Filme entstehen dann meist auch auf anderen Wegen als dieser artige Schleim, der technisch so unheimlich gut gemacht ist und aus den Filmhochschulen gekrochen kommt. 

Wie geht es nun nach der schweren Geburt Deines aktuellen Films weiter?  Gern würde ich natürlich noch einen Film drehen, am liebsten einen lustigen Film über Depressionen. Aber erst mal kommen im Herbst die schon seit Jahren angekündigten DVDs aller 3 Filme, „Der Glanz dieser Tage“, „Sommer der Liebe“ und „Die Reise ins Glück“, raus. Die werden mit allerlei Zusatzmaterial, wie z.B. seltenen Aufnahmen von Jürgen Höhnes verstorbenem Dackel, vollgepackt sein.