Feelstimmig – Das New Yorker „Animal Collective“ vermittelt zwischen Pop und Avantgarde
„Animal Collective verblüffen über die bloße Breite dessen, was geht…langes, zauselig entrücktes Spielen, mit elektronischen wie akustischen, stets sehr liebevoll ausgesuchten Klangkörpern“ schrieb der Pop-Theoretiker und Journalist Diedrich Diederichsen zu der letzten Platte „Sung Tongs“ vom New Yorker Animal Collective (vgl. Buchkritik im Telegramm auf dieser Seite). Man kann’s kaum schöner sagen, aber erstens wird man hier dafür bezahlt es zumindest noch mal anders zu sagen, und zweitens liegt inzwischen das neue Album des Kollektivs vor. Und „Feels“ klingt eben auch wieder ein wenig anders als der Vorgänger.
Vergleichbar mit den Arbeiten von Gastr del Sol (David Grubbs und Jim O’Rourke) oder David Thomas (Pere Ubu) versucht das Animal Collective zwischen Strategien der Avantgarde und Sounds und Strukturen der Popmusik zu vermitteln. Und das auf eine Art, bei der Avantgarde-Fans um ihre Dogmen fürchten und Popmusik-Fans ihre Ohren öffnen müssen. Musikalisch landen sie da ebenso wie Grubbs, O’Rourke und Thomas mit viel gezupfter und geschrammelter Akustikgitarre Mal bei Folkmusic, Mal bei lang gezogenen Minimalstücken, aber auch ganz speziell bei den Beach Boys, was sich vor allem in den vielstimmigen, wunderschönen Vocalarrangements zeigt. Doch das sollte nicht verwundern. Auch David Thomas outet sich gern musikalisch wie verbal als notorischer Beach Boys-Fans. Das liegt daran, dass Brian Wilson, der Kopf der Kalifornischen Frohnaturen, Mitte der 60er Jahre mittels Drogen mit den Platten „Pet Sounds“ und dem nie in Originalform erschienenem „Smile“ zwei nicht immer so fröhliche Blueprints für die Verschmelzung von Pop und Avantgarde geschaffen hat. Das Animal Collective hebt dieses Zusammenspiel mit energetischen Rhythmen, psychedelischem Vielklang und allerlei Brüchen und Wendungen auf eine neue Ebene. Und das macht nicht nur live, zuweilen dargeboten in komischen Tierkostümen, sondern auch auf Platte tierisch Spaß!
(Fat Cat/Pias/Rough Trade, VÖ: 24.10.)
zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 11/05


