Test Icicles: For Screening purposes only

Keine Ahnung, warum sich eine Band Test Icicles (Probe Eiszapfen) nennt, aber wenn das die einzige Besonderheit der Band wäre, dann hätte sie es sicherlich mit ihrem Debüt „For screen purposes only“ nicht an diese Stelle geschafft. Und auch ihr kryptischer Albumtitel (der Satz wird bei Vorab-Pressekassetten zu kommenden Kinofilmen eingeblendet) ist nicht das einzig erwähnenswerte. Test Icicles ist ein junges Trio, das im derzeitigen Rock-Hype mit Franz Ferdinand, Maximum Park, Bloc Party und all den anderen mitschwimmt, dabei aber wesentlich rauere und stürmischere Wellen nimmt.

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Hier kracht’s gewaltig. Wer die zweite Albumauskopplung „Circle.Square.Triangle“ kennt und liebt, könnte irritiert sein, wenn nicht gar geschockt, wenn er oder sie das Album hört (im digitalen Blätterwald hat ein zarter Zeitgenosse die erste Single „“Boa vs. Python“ als ‚absolut kranke Musik’ beschrieben). Hier sind auch Mal dreckige HipHop-Beats, Rave-Sounds und Gabba-Beats eingearbeitet, ohne dass man nur eine Sekunde lang an Techno-Rock, Electro-Clash oder ähnliche Mutwilligkeiten denkt, denn die Stil-Zitate fügen sich ganz selbstverständlich in das hohe Energielevel ein. Die Gitarren sind greller und schneidender, die Drums prügeln mehr, die Vocals sind bebrüllter als bei den Kollegen. Popige Melodien sind außer bei der Single in weiter Ferne. Hier gibt’s sogar Speedmetal inlusive Grindcore-Gegrunze („Catch it!“). Die Basis der Musik von Test Icicles ist weniger der New Wave-Rock und Power-Pop der frühen 80er Jahre wie bei vielen anderen aktuellen Bands, sondern der Hardcore der späten 80er.

Dabei erinnern sie Mal an solche Hardcore-Legenden wie Fugazi, Mal an die harte Fraktion der C-86-Bands (Big Flame, A Witness), jener Generation, die ab 1986 britische Gitarrenmusik erstmals von dem übermächtigen Einfluss der New Wave befreit hat. Kantig, krachig und hektisch bis es weh tut. Und ‚weh tun’ tut nach zuviel Wohlklang und Perfektion auch wieder ganz gut.
(Domino/ Rough Trade; VÖ: 18.11.2005)

Zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 11/05