Guy Delisle kommt ganz schön rum. Das liegt daran, dass auch in der Zeichentrickindustrie die Gesetzte der Globalisierung voll zum tragen kommen ….
Denn die meisten Arbeiten westlicher Produktionen werden nach Asien verlegt. Zum Beispiel nach China. Von seinem dortigen Aufenthalt hat Delisle bereits im Band „Shenzhen“ berichtet. Nun hat es ihn in die Hauptstadt von Nord-Korea verschlagen. „Pjöngjang“ ist nicht nur wegen des noch um einiges ungewöhnlicheren Ortes der Handlung gelungener als der Vorgänger, sondern auch wegen der feineren Zeichnungen, die den Lesefluss begünstigen. Delisle berichtet von schockierenden Zuständen in diesem abgeschotteten Land, das an tragischen Skurilitäten viel zu bieten hat. Und so pflegt Delisle meist einen ironischen Tonfall, der das kaum begreifliche einfangen will. Damit liegt er zwar das ein oder andere Mal auch etwas daneben, aber vielleicht ist Ironie der einzige Tonfall, mit dem man es erträgt, in diesem gleichgeschalteten Land festzusitzen – wenn auch nur begrenzt für wenige Monate. Ein Mal humorvoller, mal schockierender Einblick in dieses komplett abgeschottete Land.
(Reprodukt)


