Der der britischen Sitcom „The Office“ nachempfundene deutsche Serienerfolg „Stromberg“ erweitert sich mit dem ersten Kinofilm nicht nur medial, sondern geht folgerichtig auch inhaltlich aus dem Büro: Stromberg (Christoph Maria Herbst) reist mit seiner Abteilung zum Firmenfest. Dort geht es – wie sich das gehört – drunter und drüber. Die Abgründe der Arbeitswelt, zwischen buckeln und treten, fängt „Stromberg“ auch im Langformat unangenehm konsequent ein. Fremdscham und Schmerz angesichts fiesen Traktierens und fehlenden Taktgefühls gehen bei 90 Minuten an die Grenze des Erträglichen. Trotz oder wegen aller Grenzüberschreitung muss man den Machern nicht nur guten Humor, sondern auch eine gute Beobachtungsgabe attestieren. Ein Hoch auf die Selbstständigkeit!
INTERVIEW MIT DREHBUCHAUTOR RALF HUSMANN:
choices: Herr Husmann, durch das spektakulär erfolgreiche Crowdfunding war der Stromberg-Kinofilm schon früh in aller Munde. Warum sind Sie – zumindest teilweise – die Finanzierung über Crowdfunding angegangen?
Ralf Husmann: Es ging uns darum, die Freiheit, die wir bislang im TV hatten, auch ins Kino zu retten, und möglichst den Film zu machen, den wir machen wollten, ohne dass zu viele Leute mitreden. Wir dachten, Stromberg ist ein Brei, der nicht zu viele Köche verträgt. Freiheit aber kostet Geld, genau wie Filme machen. Die Idee des Crowdinvesting war für uns neu, aber wir hatten das Gefühl, dass Stromberg genau das richtige Projekt war, um das auszuprobieren. Wir haben ja bekanntlich nur Fans, die sowohl über mindestens ein abgeschlossenes Hochschulstudium verfügen, als auch über ein extrem hohes Monatseinkommen. Bei den aktuell mickrigen Zinsen wollten wir diesen Menschen eine lohnende Alternative zu Hedgefonds und Sparbüchern bieten. Es war gleichzeitig auch ein guter Test, um zu sehen, ob außer uns sonst noch jemand Interesse an dem Film hatte.
Mit dem Thema Ideenklau gehen Sie im Abspann des Films humorvoll-offensiv um. Inwieweit hat sich Stromberg ihrer Meinung nach vom britischen Vorbild „The Office“ emanzipiert?
Fast fünfzig Folgen und ein Kinofilm entsprechen auch im englischen Königreich in etwa einer Unabhängigkeitserklärung.
Wie kam es zu der Idee, mit Stromberg ins Kino zu gehen? Der Formatwechsel kann erfolgreich gelingen, birgt aber auch Risiken …
Ursprünglich wollte ich bei „24“ klauen und eine 90minütige Hinführung auf die vierte Staffel machen. Wir mussten aber einsehen, dass das ein TV-Spielfilmbudget sprengen würde. Ab da war die Idee eines Kinofilms geboren und wir haben dann versucht, die Finanzierung zu stemmen.
Was muss man im Kino anders machen als bei einer Fernsehserie, damit es funktioniert?
Sinn des Films war, Strombergs Arbeitsplatz bei der Capitol-Versicherung zu verlassen und den ganzen traurigen Haufen aus dem Bums auf eine Fahrt mitzunehmen, damit wir alle noch mal von einer neuen Seite kennenlernen. Außerdem wollte Christoph Maria Herbst nackte Weiber. Und Bjarne Mädel wollte sich mal mit einem Lachs prügeln. Das hätten wir alles im Fernsehen nicht machen können.
War es das nun tatsächlich mit Bernd Stromberg oder sind doch noch Sequels, Prequels oder Spin-offs – Games einmal außen vor – geplant?
In die Capitol werden wir sicher nicht mehr zurückkehren. Da haben wir jetzt Hausverbot. Wer den Film gesehen hat, weiß warum, kann aber gleichzeitig ahnen, dass man mit dem Bernd noch was anderes, neues erzählen könnte. Ob wir das dann auch wirklich tun, hängt natürlich auch daran, wie der Film funktioniert. Wer also nicht ins Kino geht, soll sich nicht wundern, wenn Stromberg nicht wiederkommt.


