Zeitlupe, gleißendes Gegenlicht, seichter Westcoast-Pop als musikalische Untermalung: Das sieht nicht gerade nach einem Horrorfilm aus. Regisseur Jonathan Levine steht trotzdem mit seinem Debüt „All the Boys love Mandy Lane“ in der Tradition des 70er Jahre Slasher-Films von Wes Craven oder Tobe Hooper …
Das Horror-Genre boomt immer noch. Im Fahrwasser der Saw-Reihe kommen allerdings vor allem Filme in die Kinos, die einem möglichst raffinierte Tötungsmaschinerien vorführen. Sich perverse Folterszenen anzusehen, ist allerdings ein recht hermetisches Vergnügen – wenn überhaupt. Die Meister des modernen Horrorfilms wie Wes Craven, Tobe Hooper und George Romero lieferten in ihren parabelhaften Genrefilmen immer einen Subtext. Neben ästhetischer Erneuerung zeigten sie auch einen verzerrten Blick auf die gesellschaftliche Wirklichkeit. Regisseur Jonathan Levine steht mit seinem Debüt „All the Boys love Mandy Lane“ in ihrer Tradition.
Mandy Lane schwebt mit wogendem Haar durch die Flure ihrer Highschool und verdreht alleine durch ihre Präsenz den Jungs die Köpfe. Doch die unschuldige Schönheit verweigert sich und gibt sich einzig mit ihrem kumpelhaften Freund Emmet ab. Als Mandy bei einer Poolparty vom schleimigen Dylan angemacht wird, reagiert Emmet mit Eifersucht. Nach einer kleinen Prügelei sitzen beide Jungs schließlich auf dem Hausdach. Emmet überredet den betrunkenen Dylan, von dort in den Pool zu springen, um Mandy zu imponieren. Dylan landet mit dem Kopf auf der Kante und ist gleich tot. Monate später verbringt Mandy mit einigen Schulfreunden ein Wochenende auf einer entlegenen Farm. Teeniegeplänkel bestimmt das Treiben. Die ernsthafte Mandy steht etwas abseits. Dann beginnt das Morden.
Zeitlupe, gleißendes Gegenlicht, seichter Westcoast-Pop als musikalische Untermalung – so sieht die für aktuelle Horrorfilme eher untypische Grundstimmung von „All the boys love Mandy Lane“ aus. Dafür erinnert der Film umso deutlicher an den Anfang von Tobe Hoopers „Texas Chain Saw Massacre“. Was auffällt: Richtig sympathisch ist von den Jungspunden zwischen Schönheitswahn und Machogetue niemand. Die ikonenhafte Mandy wirkt im Gegensatz zu ihren pubertären Mitschülern ungreifbar. Das passt nur zu gut zu der auf eine übersteigert schöne, glatte Oberfläche ausgerichteten Inszenierung. Wenn dann das Gemetzel losgeht, ist das bei aller Auslassung im Detail zwar drastisch. Der Schock hält sich aber in Grenzen und den Dahingerafften trauert man kaum nach. Natürlich hat Levine genregemäß am Schluss noch eine Überraschung parat, die den Film nachträglich in einem etwas anderen Licht erscheinen und die Inszenierung einer Inszenierung aufscheinen lässt. Mehr darf nicht verraten werden. Stellen Sie sich einfach „The Virgin Suicides“ als Horrorfilm vor …
(Bundesstart: 26.6.2008)
Zuerst erschienen in intro 07/08


