
Ben und Leslie leben mit ihren sechs Kindern fernab jeglicher Zivilisation in den Wäldern Oregons. Dort erhalten sei ein hartes Survivaltraining, werden zivilisationskritisch erzogen, aber bekommen auch eine vorzügliche Allgemeinbildung. Die drei Jungen und drei Mädchen zwischen 6 und 18 werden jeden Morgen durch den Wald gescheucht, müssen Krafttraining ebenso machen wie Felsklettern für Fortgeschrittene. Dass sie die Pflanzen und Tiere in ihrer Umgebung in- und auswendig kennen, versteht sich von selber. „„Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“ von Matt Ross“ weiterlesen
„In God we trust“ von Winshluss
Die Mohammed-Karikaturen, das Attentat auf Charlie Hebdo – es gibt derzeit viele gute Gründe, um über Religion und Karikaturen zu sprechen. Auf dem Internationalen Comic-Salon Erlangen wurde im Mai die Ausstellung „Juckpulver für Scheinheilige“ gezeigt, Vorträge erörterten die Geschichte von Blasphemie und Karikaturen in Frankreich. Die Karikatur, war dort zu hören, war immer ein Aufstand der Unterdrückten, und die Furcht der Mächtigen vor dem Lachen die Angst vor der Relativierung ihrer Macht und religiösen Wahrheiten …Hier geht es zum vollständigen Artikel auf tagesspiegel.de
„1001 Nacht“ von Miguel Gomez
Der Jubel über die EM ist noch nicht verklungen, da startet die EU ein Strafverfahren gegen die „Defizitsünder“ Portugal, die sich gerade ganz langsam vom wirtschaftlichen Tiefpunkt erholt haben. Der EU geht das aber nicht schnell genug, sie will mit einer absurden Logik Geldstrafen verhängen. Zum Lachen? Zum Weinen? Im Jahr 2013, dem Tiefpunkt der Krise in Portugal, will der portugiesische Regisseur Miguel Gomes die Lage in seinem Land porträtieren und gerät dadurch selber in eine Krise. „„1001 Nacht“ von Miguel Gomez“ weiterlesen
„Toni Erdmann“ von Maren Ade

Man muss sich die Geschichte ungefähr so vorstellen: Winfried und seine Frau wollen es besser machen: Ihre Tochter Ines erziehen sie liberal. Sie unterstützen und fördern sie, wo sie können, damit ein selbstbewusster, kritischer Mensch aus ihr wird. „„Toni Erdmann“ von Maren Ade“ weiterlesen
„Tangerine L.A.“ von Sean Baker
Jetzt ist Sin-Dee (Kitana Kiki Rodriguez) stocksauer! Eben noch war sie bester Laune: Es ist Heiligabend, und gerade wurde sie aus dem Knast entlassen. Da erfährt sie von ihrer besten Freundin Alexandra (Mya Taylor), dass ihr Freund Chester sie während ihres Gefängnisaufenthalts mit einer Anderen betrogen hat. Das ist schon übel genug, aber das Schlimmste: Chester hat sie mit einer ganz normalen Frau betrogen. „„Tangerine L.A.“ von Sean Baker“ weiterlesen
„Mister Wonderful“ von Daniel Clowes
Daniel Clowes widmet sich seit langem den nerdigen Außenseitern an der amerikanischen Westküste. Mal driften seine Stories ins Surreale und hangeln sich von einem Genre zum nächsten wie in „David Boring“ oder „Der Todesstrahl“, mal verschreibt er sich einem sachlichen Realismus wie in „Ghost World“, „Wilson“ oder nun „Mister Wonderful“. „„Mister Wonderful“ von Daniel Clowes“ weiterlesen
„Cafe Belgica“ von Felix van Groeningen
Musik ist wichtig für den Zusammenhalt seiner Filme, sagt der belgische Regisseur Felix Van Groeningen: „Sie sollte wirklich Teil der Geschichte sein.“ Wirklich beeindruckend hat er diese These 2012 in seinem großen Erfolg The Broken Circle umgesetzt. In Café Belgica verbindet er nun noch konsequenter Story und Sound, gerät diesmal allerdings immer wieder aus dem Takt …
„Venus Transit“ von Hamed Eshrat
Der in Berlin lebende Hamed Eshrat hat bereits in Frankreich Comics veröffentlicht, „Venustransit“ ist sein Debüt in Deutschland: Ben nervt sein IT-Job, seine eigene, freie Arbeit als Zeichner will auch nicht so recht weitergehen und mit seiner langjährigen Beziehung zu Julia geht es auch bergab. „„Venus Transit“ von Hamed Eshrat“ weiterlesen
Der Mann, der zu wenig wusste:„Remainder“ von Omer Fast
Ein Mann steht mit Rollkoffer an einer befahrenen Straße in einer Innenstadt. Er wirkt zugleich gehetzt und zögerlich. Als er die Straße überquert, vergisst er seinen Koffer. Er blickt irritiert zurück, will ihn bereits holen, als Splitter von dem überdimensionalen Glasdach, dass sich zwischen den schicken Bürogebäuden spannt, herunterfallen. Weitere, undefinierbare Teile fallen vom Himmel und treffen den jungen Mann mit voller Wucht. Der Schlag trifft auch die Umstehenden, die ebenso überrascht sind, wie die Zuschauer im Kino. „Der Mann, der zu wenig wusste:„Remainder“ von Omer Fast“ weiterlesen
„Der Schamane und die Schlange“ von Ciro Guerra
Zu Beginn sehen wir einen Einbaum mit einem weißen Forscher an Bord, während am Ufer des Flusses ein Ureinwohner mit unverhohlen ablehnender Haltung steht. Marco Bechis‘ Film „Birdwatchers“ aus dem Jahr 2008 beginnt ganz ähnlich wie „Der Schamane und die Schlange“: Hier ist es eine Touristengruppe, die in einem Boot an einer Gruppe von Ureinwohnern vorbeifährt. Deren Aggression ist kaum versteckt – schließlich werfen sie sogar Speere auf die Weißen. „„Der Schamane und die Schlange“ von Ciro Guerra“ weiterlesen
Kidlat Tahimiks „Balikbayan #1“ und das philippinische Avantgarde Kino
Aus dem Schlamm eines Reisfeldes fischt ein Ifugao-Priester mit prächtigem Kopfschmuck eine Schachtel mit alten 16mm-Filmrollen. Nachdem er den cineastischen Schatz geborgen hat, legt er den Film in einen Projektor ein: „Memories of Overdevelopment (A Film in Progress)“ ist im unscharfen, wackeligen Vorspann zu lesen …
Es geschah am hellichten Tag:„El Clan“ von Pablo Trapero
Es ist ein freundliches Szenario: Die angesehene Familie Puccio lebt in einem Haus in Buenos Aires, dem ein kleiner Laden angeschlossen ist. Vater Arquímedes grüßt immer freundlich, wenn er morgens den Bürgersteig kehrt, die Mutter Epifanía sorgt liebevoll für die vielen Kinder. Die jüngste Tochter Adriana ist ein typischer, lebensfroher Teenager und auch ihr Bruder Guillermo scheint ein ganz normaler Junge zu sein. „Es geschah am hellichten Tag:„El Clan“ von Pablo Trapero“ weiterlesen
Dialogisches Gemetzel „The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino
Keine Frage, der neue Film von Quentin Tarantino spaltet mehr denn je: Die einen nennen ihn im besten Fall langweilig, empfinden den Film häufig aber auch als höchst unmoralisch. Die anderen feiern den Film für seine Dialoge, seine Bilder, seinen Spannungsaufbau und nicht zuletzt für seine oft auf Gewalt gründende Komik (ja, fiktionale Gewalt kann komisch sein, siehe Dick & Doof, Tom & Jerry etc.). „The Hateful Eight“ scheint Tarantinos extremstes Werk seit seinem Debüt „Reservoir Dogs“ zu sein, verfolgt gegenüber dem Erstling allerdings eine Mission. „Dialogisches Gemetzel „The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino“ weiterlesen
„Die Mauer“ von Céline Fraiponts und Pierre Baillys
Trotz der Thematik ist kaum zu erwarten, dass mit Céline Fraiponts und Pierre Baillys (Autoren der Kindercomic-Reihe „Kleiner Strubbel“) Graphic Novel „Die Mauer“ ein jugendliches Publikum bzw. Leserinnen im Alter der Protagonistin anvisiert werden. Zu düster, zu traurig für Dreizehnjährige, denkt man spontan. Die 13-jährige Rosie ist mir den Gefühlswirren der Pubertät völlig allein gelassen – und das darf man durchaus wörtlich nehmen, denn Rosie lebt tatsächlich so gut wie alleine „„Die Mauer“ von Céline Fraiponts und Pierre Baillys“ weiterlesen
Entfremdetes Puppengesicht„Anomalisa“ von Duke Johnson & Charlie Kaufman
Bislang schneidet der neue Film von Charlie Kaufman bei der internationalen Filmkritik extrem gut ab. Das ist bei einem Kritikerliebling wie Kaufman, der mit seinen Drehbüchern zu Filmen wie „Being John Malkovich“ (1999), „Human Nature“ (2001), „Adaption“ (2002), „Confessions of a Dangerous Mind“ (2002) oder „Vergiss mein nicht!“ (2004) von Regisseuren wie Michael Gondry oder Spike Jonze regelmäßig für Begeisterung gesorgt hat, nicht so ungewöhnlich. Doch die Einstimmigkeit, mit der der Lobgesang anhebt, ist sogar für einen Charlie-Kaufman-Film erstaunlich. Zumal es sich um einen klassischen Puppenfilm handelt. „Entfremdetes Puppengesicht„Anomalisa“ von Duke Johnson & Charlie Kaufman“ weiterlesen
Kriegsschauplätze„Dämonen und Wunder – Dheepan“ von Jacques Audiard
Ein Flüchtlingslager in Sri Lanka: Hier sucht sich die junge Yalini (Kalieaswari Srinivasan) das Waisenmädchen Illayaal (Claudine Vinasithamby), um gemeinsam mit dem Soldaten Dheepan (Jesuthasan Antonythasan) eine Zweck-Familie zu bilden. „Kriegsschauplätze„Dämonen und Wunder – Dheepan“ von Jacques Audiard“ weiterlesen
Der gute Ruf der Firma„El Club“ von Pablo Larraín
In einem kleinen Dorf an der Küste Chiles steht ein Haus. Darin wohnen vier ältere Männer. In ihrer Mitte ist eine Frau, die den Haushalt besorgt und den korrekten Tagesablauf überwacht. Denn das Leben derer, die hier wohnen, läuft nach strengen Regeln ab: Frühstück, Mittag- und Abendessen, Freizeit, Verhaltensregeln außerhalb des Hauses – all das ist streng geregelt. Auch die Gebete, der Gesang und die Messe. Denn in diesem Haus wohnen Priester. Es ist ein Ort des Rückzugs. Doch freiwillig ist niemand von ihnen hier. „Der gute Ruf der Firma„El Club“ von Pablo Larraín“ weiterlesen
Charles Burns: „X“ / „Die Kolonie“ / „Zuckerschädel“ – Trilogie
Zehn Jahre lang hat Charles Burns an seinem Opus Magnum „Black Hole“ gearbeitet. Das über 300-seitige Werk ist eine sowohl bedrückende wie berauschende Allegorie auf die Wirren der Pubertät, angesiedelt im Californien der 70er Jahre. Die Körperveränderungen werden bei Burns zu monströsen Deformationen, das Teenagerdasein gleicht einer Krankheit, die einen zu einem Leben als Aussätzigen verdammt. Auch zehn Jahre nach „Black Hole“ sind Pubertät und Teenage Angst Charles Burns‘ Themenschwerpunkt: Seine neue Trilogie führt uns in ein ähnliches Szenario wie in „Black Hole“ „Charles Burns: „X“ / „Die Kolonie“ / „Zuckerschädel“ – Trilogie“ weiterlesen
Mit klarem Blick„The Look of Silence“ von Joshua Oppenheimer
Deutschland, 1985 – ein Dreh für einen Dokumentarfilm: Der Bruder eines im Dritten Reich ermordeten Juden sitzt vor dessen Mörder und fragt nach den Hintergründen der Tat. Der Täter gibt bereitwillig Antwort und brüstet sich auch noch mit seiner Brutalität. „Mit klarem Blick„The Look of Silence“ von Joshua Oppenheimer“ weiterlesen
Fremd im eigenen Land„Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume
„Wenn ich mein Dienstzimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland“, hat der jüdische Jurist Fritz Bauer einmal gesagt. Er hat diesen Satz nicht in den späten 20er oder frühen 30er Jahren ausgesprochen, nachdem er zum jüngsten Amtsrichter im Deutschen Reich aufgestiegen war. Er hat ihn in der Nachkriegszeit gesagt. „Fremd im eigenen Land„Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume“ weiterlesen



















