„Der Schamane und die Schlange“ von Ciro Guerra

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Zu Beginn sehen wir einen Einbaum mit einem weißen Forscher an Bord, während am Ufer des Flusses ein Ureinwohner mit unverhohlen ablehnender Haltung steht. Marco Bechis‘ Film „Birdwatchers“ aus dem Jahr 2008 beginnt ganz ähnlich wie „Der Schamane und die Schlange“: Hier ist es eine Touristengruppe, die in einem Boot an einer Gruppe von Ureinwohnern vorbeifährt. Deren Aggression ist kaum versteckt – schließlich werfen sie sogar Speere auf die Weißen. „„Der Schamane und die Schlange“ von Ciro Guerra“ weiterlesen

Es geschah am hellichten Tag:
„El Clan“ von Pablo Trapero

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Es ist ein freundliches Szenario: Die angesehene Familie Puccio lebt in einem Haus in Buenos Aires, dem ein kleiner Laden angeschlossen ist. Vater Arquímedes grüßt immer freundlich, wenn er morgens den Bürgersteig kehrt, die Mutter Epifanía sorgt liebevoll für die vielen Kinder. Die jüngste Tochter Adriana ist ein typischer, lebensfroher Teenager und auch ihr Bruder Guillermo scheint ein ganz normaler Junge zu sein. „Es geschah am hellichten Tag:„El Clan“ von Pablo Trapero“ weiterlesen

Dialogisches Gemetzel
„The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino

THE HATEFUL EIGHT

 

Keine Frage, der neue Film von Quentin Tarantino spaltet mehr denn je: Die einen nennen ihn im besten Fall langweilig, empfinden den Film häufig aber auch als höchst unmoralisch. Die anderen feiern den Film für seine Dialoge, seine Bilder, seinen Spannungsaufbau und nicht zuletzt für seine oft auf Gewalt gründende Komik (ja, fiktionale Gewalt kann komisch sein, siehe Dick & Doof, Tom & Jerry etc.). „The Hateful Eight“ scheint Tarantinos extremstes Werk seit seinem Debüt „Reservoir Dogs“ zu sein, verfolgt gegenüber dem Erstling allerdings eine Mission. „Dialogisches Gemetzel „The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino“ weiterlesen

„Die Mauer“ von Céline Fraiponts und Pierre Baillys

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Trotz der Thematik ist kaum zu erwarten, dass mit Céline Fraiponts und Pierre Baillys (Autoren der Kindercomic-Reihe „Kleiner Strubbel“) Graphic Novel „Die Mauer“ ein jugendliches Publikum bzw. Leserinnen im Alter der Protagonistin anvisiert werden. Zu düster, zu traurig für Dreizehnjährige, denkt man spontan. Die 13-jährige Rosie ist mir den Gefühlswirren der Pubertät völlig allein gelassen – und das darf man durchaus wörtlich nehmen, denn Rosie lebt tatsächlich so gut wie alleine „„Die Mauer“ von Céline Fraiponts und Pierre Baillys“ weiterlesen

Entfremdetes Puppengesicht
„Anomalisa“ von Duke Johnson & Charlie Kaufman

ANOMALISA

 

Bislang schneidet der neue Film von Charlie Kaufman bei der internationalen Filmkritik extrem gut ab. Das ist bei einem Kritikerliebling wie Kaufman, der mit seinen Drehbüchern zu Filmen wie „Being John Malkovich“ (1999), „Human Nature“ (2001), „Adaption“ (2002), „Confessions of a Dangerous Mind“ (2002) oder „Vergiss mein nicht!“ (2004) von Regisseuren wie Michael Gondry oder Spike Jonze regelmäßig für Begeisterung gesorgt hat, nicht so ungewöhnlich. Doch die Einstimmigkeit, mit der der Lobgesang anhebt, ist sogar für einen Charlie-Kaufman-Film erstaunlich. Zumal es sich um einen klassischen Puppenfilm handelt. „Entfremdetes Puppengesicht„Anomalisa“ von Duke Johnson & Charlie Kaufman“ weiterlesen

Der gute Ruf der Firma
„El Club“ von Pablo Larraín

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In einem kleinen Dorf an der Küste Chiles steht ein Haus. Darin wohnen vier ältere Männer. In ihrer Mitte ist eine Frau, die den Haushalt besorgt und den korrekten Tagesablauf überwacht. Denn das Leben derer, die hier wohnen, läuft nach strengen Regeln ab: Frühstück, Mittag- und Abendessen, Freizeit, Verhaltensregeln außerhalb des Hauses – all das ist streng geregelt. Auch die Gebete, der Gesang und die Messe. Denn in diesem Haus wohnen Priester. Es ist ein Ort des Rückzugs. Doch freiwillig ist niemand von ihnen hier. „Der gute Ruf der Firma„El Club“ von Pablo Larraín“ weiterlesen

Charles Burns: „X“ / „Die Kolonie“ / „Zuckerschädel“ – Trilogie

Zuckerschaedel

Zehn Jahre lang hat Charles Burns an seinem Opus Magnum „Black Hole“ gearbeitet. Das über 300-seitige Werk ist eine sowohl bedrückende wie berauschende Allegorie auf die Wirren der Pubertät, angesiedelt im Californien der 70er Jahre. Die Körperveränderungen werden bei Burns zu monströsen Deformationen, das Teenagerdasein gleicht einer Krankheit, die einen zu einem Leben als Aussätzigen verdammt. Auch zehn Jahre nach „Black Hole“ sind Pubertät und Teenage Angst Charles Burns‘ Themenschwerpunkt: Seine neue Trilogie führt uns in ein ähnliches Szenario wie in „Black Hole“ „Charles Burns: „X“ / „Die Kolonie“ / „Zuckerschädel“ – Trilogie“ weiterlesen

Fremd im eigenen Land
„Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume

Die Heimatlosen / Fritz Bauer (AT)Regie: Lars KraumeKamera: Je

 

„Wenn ich mein Dienstzimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland“, hat der jüdische Jurist Fritz Bauer einmal gesagt. Er hat diesen Satz nicht in den späten 20er oder frühen 30er Jahren ausgesprochen, nachdem er zum jüngsten Amtsrichter im Deutschen Reich aufgestiegen war. Er hat ihn in der Nachkriegszeit gesagt. „Fremd im eigenen Land„Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume“ weiterlesen

„Ein Sommer am See“ von Jillian & Mariko Tamaki

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Passend zur Jahreszeit hat der Berliner Verlag Reprodukt im Sommer die Coming of Age- Geschichte „Ein Sommer am See“ von den kanadischen Cousinen Jillian und Mariko Tamaki veröffentlicht: Rose fährt seit Jahren mit ihren Eltern in das selbe Ferienhaus an einem See. Dort trifft sie ebenso regelmäßig die etwas jüngere Windy. Beide sind an der Schwelle zum Teenager und beobachten ihre Umwelt und vor allem die Dorfjugend mit großen Augen. „„Ein Sommer am See“ von Jillian & Mariko Tamaki“ weiterlesen

Neustart
„Gefühlt Mitte Zwanzig“ von Noah Baumbach

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Vor fünf Jahren schickte Regisseur Noah Baumbach in seinem Film „Greenberg“ Ben Stiller als einen desorientierten, vierzigjährigen Berufsjugendlichen nach Los Angeles, wo er mit seinem unbeholfenen Loser-Zynismus bei den Jüngeren in seiner Umgebung gar nicht landen konnte. Sein neuer Film „Gefühlt Mitte Zwanzig“ könnte eine Fortsetzung sein, denn auch hier spielt die sogenannte Midlife-Crisis eine weitere Hauptrolle neben den Protagonisten aus Fleisch und Blut „Neustart„Gefühlt Mitte Zwanzig“ von Noah Baumbach“ weiterlesen

In den eigenen vier Türen
„Taxi Teheran“ von Jafar Panahi

 

Taxi Teheran

 

 

 

 

 

 

 

Das Prinzip des Films ähnelt dem Film „Ten“ (2002) von Abbas Kiarostami, dem Landsmann und Lehrer von Jafar Panahi: Panahi sitzt am Steuer eines Taxis und fährt durch Teheran. Es steigen Gäste ein und wieder aus, zuweilen fahren mehrere Gäste mit, die sich untereinander nicht kennen. Sie teilen sich ein Stück weit das Taxi, so wie es in vielen Entwicklungsländern üblich ist. „In den eigenen vier Türen„Taxi Teheran“ von Jafar Panahi“ weiterlesen

Mutanten-Stadl
„Men & Chicken“ von Anders Thomas Jensen

Mænd og Høns Nikolaj Lie Kaas & Mads Mikkelsen Directed by Anders Thomas Jensen Produced by Tivi & Kim Magnusson M&M Production Photo Credit Rolf Konow

 

Einer schräger als der andere! Aber zunächst sind da nur die beiden Brüder Gabriel und Elias, deren Vater ihnen auf dem Sterbebett eine Videoaufzeichnung mitgibt, auf der er ihnen ein Geheimnis von großer Tragweite mitteilt: Ihre Eltern waren nicht ihre biologischen Eltern und außerdem haben sie unterschiedliche Mütter. „Mutanten-Stadl„Men & Chicken“ von Anders Thomas Jensen“ weiterlesen

Verqueres Genie
„Love & Mercy“ von Bill Pohlad

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Der Mythos vom Künstler zwischen Genie und Wahnsinn – Brian Wilson scheint ihn perfekt zu verkörpern. In der ersten Hälfte der 1960er Jahre komponiert er für die Beach Boys einen Hit nach dem anderen. Mitte der 1960er erweitert er die Formensprache der Popmusik maßgeblich und verliert sich schließlich – von Drogen und Psychosen zerrüttet – in den Weiten seiner Klangexperimente. Weiterlesen

Bundesstart: 11.6.2015)