Großes Entertainment mit doppeltem Boden
Bobby Conn treibt schon an die zehn Jahre sein Unwesen als Entertainer und ist doch nach wie vor ein recht unfassbares Phänomen. Phänomen muss man schon sagen, denn mit der Bezeichnung Musiker kommt man bei Bobby Conn nicht weit, da ist mehr …

Die Musik alleine ist allerdings schon schwer genug zu definieren. Dass Conn die verschiedensten Musiken der 70er Jahre plündert – mal ironisch, mal affirmativ – ist offensichtlich. Das reicht allerdings von easy Radio-Pop über funky und soulful Partymusik bis zu komplexem Progressiv- und pathetischem Hard-Rock. So ist das Titelstück zum Beispiel ein freundliches Liedchen mit Akustikgitarre und Streichern, während „Sinking Ship“ eine instrumentale Math-Core-Attacke ist, die auch King Crimson Mitte der 70er Jahre gut zu Gesichte gestanden hätte. Und neben einer wunderschönen Ballade wie „Mr. Lucky“ findet sich auf der Platte mit „Vanitas“ auch Hard-Rock mit lateinischen(!) Chorälen.
Vielseitigkeit zeigt Bobby Conn auf der Platte ständig, auch innerhalb der einzelnen Stücke, deren unterschiedliche Parts sich schnell abwechseln. Musikalisch dürfte Conn, der äußerlich wie der Helge Schneider des Glam Rock anmutet, damit mal wieder ein neuer Höhepunkt in seiner Karriere gelungen sein. Um sich herum hat er inzwischen eine Band aus neun Musikern, darunter die omnipräsente Violinistin, seine Ehefrau Monica BouBou, geschart. Die oft freundliche, überschwängliche, meist auch pathetische Musik steht allerdings im Kontrast zu den Texten. Auf dem letzten Album „The Homeland“ widmete sich Conn ausgiebig und in böser Satire der US-amerikanischen Außenpolitik. Dieses Mal geht es etwas persönlicher zu, und vor allem das prekäre Musikerdasein als Doppelleben zwischen Entertainment und McJob wird besungen. Nicht nur bejammert, auch bejubelt. Und wenn man ihn einmal, nur mit goldenen Hotpants bekleidet und mit verheultem Kajalstift unter den Augen, vor seinem Publikum hat stehen sehen, weiß man um die Emotionalität seiner Darbietungen. Doppelter Boden hin oder her – das ist großes Theater!
(Thrill Jockey/Rough Trade; VÖ: 16.2.2007)
Zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 02/07


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