Neue Comics von Lewis Trondheim, Joann Sfar und Christophe Blain

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Die französische Clique um den eigenverwalteten Independent-Verlag L’Association hat in den letzten 15 Jahren den europäischen Comic maßgeblich beeinflusst. Der schon länger brodelnde Krach (recht alte Info) unter den Mitgliedern wird nichts daran ändern …,

dass weiterhin massenweise die unterschiedlichsten, unglaublichsten Comics aus diesem Kreis kommen und zunehmend auch auf deutsch erscheinen. Die Workaholics Lewis Trondheim und Joann Sfar sind sicherlich die ’schlimmsten‘ von allen und ihr maßloses Werk „Donjon“ vielleicht das irrsinnigste Projekt der Comicgeschichte. Das von Lewis Trontheim und Joann Sfar auf über 300 Bände – die bisherige Veröffentlichungswut lässt darauf schließen, dass sie das wirklich ernst meinen – angelegte Fantasy-Epos lässt ihren Schöpfern und den regelmäßigen Gastzeichnern viel Raum, sich surreal, absurd und vor allem blutig auszutoben. Die Handlungsstränge schwirren nur so im Raum umher, die Farbgebung ist von ausgesuchter Spielfreude geprägt und die unzähligen Monster kommen in immer unglaublicheren Gestalten ihrem blutigen Treiben nach. Schon wieder sind vier neue Bände aus dem inzwischen aus fünf Hauptsträngen bestehenden Werk erschienen: „Nach dem Regen“ aus der Frühzeit der Geschichte, „Armageddon“ aus der sogenannten „Abenddämmerung“ des Donjons, „Hochzeiten mit Hindernissen“ aus dem Zenit und „Die Hauptkarte“ aus der Nebenreihe „Donjon Monster“ – in Zahlen: Band Nr. minus 84, 5, 103 und Monster 3. Tollkühne Wendungen, makabres Gemetzel und lustige Monster sind garantiert in dieser verehrenswürdigen Fantasy-Ausgeburt zweier wahnsinniger Hirne.
Joann Sfar, das eine dieser beiden Hirne, thematisiert in einigen seiner anderen Reihen häufig seinen jüdischen Background – allerdings auf historischer Ebene: In „Die Katze des Rabbiners“ macht er dies schon länger und auch in einigen Einzelbänden wie „Pascin“ sind die Protagonisten Juden. Nun geht es weiter in seiner neuen Reihe „Klezmer“, die er mit dem Band „Die Eroberung des Ostens“ eröffnet. Grafisch ist die Geschichte eine Herausforderung, die man als Analogie zur Klezmer-Musik lesen muss: Wild, spontan, improvisiert, immer knapp vorbei am Chaos, treibt Sfar seine Geschichte mit dynamischem Strich voran. Nachdem sein Orchester niedergemetzelt wurde, zieht Noah Davidovich durch das Russland der Zarenzeit nach Odessa, um eine neue Band zu gründen.
Auch Christophe Blaine war mit seinem schwungvollen, flüchtigen Strich häufiger schon Gastzeichner bei „Donjon“. Neben seiner eigenen, sehr smart rabaukigen Langserie „Isaak der Pirat“ startet nun auch die Westernreihe „Gus“ auf deutsch. Der Eröffnungsband „Nathalie“ liefert gleich die von „Isaak“ bekannte Mischung aus Abenteuer und Erotik zwischen Action und Unsinn. Wem Lucky Luke zu steif ist: Hier wird geraubt und gevögelt und der Protagonist ist ein rechter Schurke. Ein liebenswerter allerdings.
(„Donjon“ und „Gus“ erscheinen bei Reprodukt, „Klezmer“ erscheint im Avant-Verlag; VÖ: 10/11.07)

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