Zwei Klassiker von Moebius, unbestreitbar einer der bedeutendsten Comic-Künstler, erscheinen dieser Tage neu … Alleine durch Jean Girauds schizophrenen Werkkatalog, der sich in die Arbeiten von Gir und die von Moebius gliedert, nimmt er eine Sonderstellung ein. Als Gir hat Giraud mit der Endlosserie „Leutnant Blueberry“ den Western-Comic in epische Breiten getragen. Als Moebius brach er in den 70er Jahren unter dem Deckmantel der Science Fiction in unerforschte Regionen des Comics vor – sowohl zeichnerisch als auch erzählerisch.
. Mit den textfreien Geschichten um „Arzach“, der auf seinem Flugvogel durch seltsame Landschaften gleitet, entfaltete Moebius ab 1976 in dem Magazin Métal Hurlant eine grenzenlos fantastische Welt, die an den Underground der US-Comix der späten 60er Jahre anschloss. Mit ihrem surrealen Antlitz stießen die Geschichten aber noch einige Türen mehr auf. Die starke und gleichermaßen an Psychedelik und Popart angelehnte Farbigkeit und die freie, surreale Erzählstruktur katapultierten die Comic-Kultur in neue Sphären. Darauf folgte mit „Die hermetische Garage“ seine psychedelische Space-Oper um Major Grubert, die den Leser von Seite zu Seite staunend durch Raum und Zeit stolpern ließ. Mit seinen Episoden für „Die hermetische Garage“, die im Gegensatz zu „Archach“ in Schwarzweiß gehalten war, lehnte er sich an die Versuche der Surrealisten an, das Unterbewusste in die Erzählung hineinzutragen. Dementsprechend Sprunghaft ist die Erzählung, die sich Spontan von Ereignis zu Ereignis hangelt und gerne in humoristische Metaebenen abschweift. Von da war es nur noch ein kleiner Schritt zu seinem Hauptwerk „Der Incal“, in dem er zusammen mit Jodorowski das erzählerische Prinzip der Hermetischen Garage mit dem zeichnerischen Ansatz von Arzach in Perfektion zusammenführte (die unnötige und ärgerliche Neukolorierung der „Incal“-Gesamtauflage – deutsch bei Ehapa – lässt diese Qualitäten komplett untergehen). Das Unperfekte der beiden Vorgängerwerke hat allerdings seinen ganz eigenen Reiz und transportiert die damalige Aufbruchsstimmung. Die edel aufgemachten Alben entsprechen den französischen Neuauflagen.
(Cross-Cult)
Zuerst erschienen in Strapazin Nr. 92



