Das erste Konzert des von einem Handyanbieters initierten Festivals (das ist die Zukunft: Zeitgleich gibt ein Autohersteller noch ein Jazzfestival in der Stadt) am zweiten Augustwocheende in Köln kommt nach Massive Attack und Dizzee Rascal als letztes zu einem Blogbeitrag. Warum? Weil ich eben über Enttäuschungen nicht so gerne schreibe wie über freudige Überraschungen …Obwohl man das Konzert auch keine unangenehme Überraschung nennen kann – denn eigentlich habe ich schon geahnt, dass ich nicht sehr begeistert sein würde. Ich fand Herbert lange Zeit klasse. Aber schon der letzte Auftritt mit seiner Big Band in der Philharmonie war mir suspekt, weil dort Virtuositätenausstellung und Humor auf recht biedere Art aufeinandertrafen. Dani Siziliano hat das mit ihrer sympathischen Down-to-Earth Art etwas aufgefangen. Tja, nach ihrer Trennung von Herbert ist sie nun nicht mehr dabei und stattdessen muss man mit einer weniger charismatischen Stimme vorlieb nehmen. Beim Konzert ist aber nicht nur der Gesang klischeegetränkt soulig, sondern auch die Gestik und Mimik der Sängerin sind plakativ. Herbert macht derweil Faxen hinter seinen Amarturen. Allerdings wollen seine Sounds, meist in Realzeit von Band oder Sängerin gesampelt (sein deppertes Manifest verbietet ihm ja, fremde Sounds zu verwerten), selten in den Bandsound einfügen. Es gibt sehr gelungene Momente, aber häufig wird der Big Band nur ein wenig Noise übergestülpt. Die Musik der Band – insgesamt tummeln sich knapp 20 Leute auf der Bühne (wer bezahlt das eigentlich?) – ist da noch das spannendste: Extrem dynamisch und spannungsgeladen. Aber auch hier ist der Virtuositätenbauchladen etwas enervierend. Bin ich zu einseitig? Habe ich Matthew Herbert jetzt endgültig auf dem Kicker? Anscheinend. Das neue Album „There’s me and there’s you“ (Vö: 10. Oktober) liegt schon hier, aber ich traue mich gar nicht, reinzuhören …


