Hui, DAF live! Das kann natürlich – wie generell bei reaktivierten alten Helden – ziemlich in die Hose gehen. Ging es aber nicht …Zuvor musste man noch Angelika Express mitnehmen, die deutlich blöder waren als in meiner Erinnerung, die sie auch nur unter ‚geht so’ abgespeichert hatte. Danach treten zwei freundlich lächelnde Männer Ende 40 oder Anfang 50 auf die Bühne. Robert Görl hat ein buddhistisches Dauergrinsen auf den Lippen, und Gabi Delgado-López begrüßt die Meute mit einem fröhlichen „Hallo Jungs und Mädchen“. Gabi tanzt am Mikro, Robert sitzt am Schlagzeug und der Rest kommt nicht wie damals von Tapes sondern von CD. Dass im Publikum viel Dark Wave-Volk ist, verblüfft mich zunächst. Ich hatte DAF damals ja als elektronischen New Wave erlebt, zu der Zeit gab es Grufties, EBM und die Folgen noch nicht. Aber klar, dass DAF von der EBM-Meute zum Blueprint für ihre Musik erkoren wurden. Nur, dass DAF immer wesentlich besser waren, als alle ihnen folgende EBMler – von Front 242 über Skinny Puppy oder Portion Control zu à; Grumh …
Ihr böse Buben Image versuchen die beiden im Jahr 2008, über 25 Jahre nach ihrer großen Zeit, erst gar nicht aufrecht zu erhalten. Die Musik – zwei Stücke vom zweiten Album „Die kleinen und die Bösen“, einige wenige vom 2003er Reunion-Album und der Rest von der ’81er/’82er-Trilogie – genügt mit ihrer stoischen Härte vollauf. Die schneidende Härte des Proto-Sequenzertechno von „Verschwende Deine Jugend“ ist auch heute noch ohne Einschränkung umwerfend. Und ihre strategischen Texte, die potentielle Zustimmung sofort wieder vor den Kopf stößt, haben an Raffinesse nichts eingebüßt. Sicher würde man das so heute nicht mehr machen können. Die unklare Klarheit und das knackige Kalkül sind aber immer noch beeindruckend. Und so wird die ganze Veranstaltung – so sehr sie auch eine Nostalgieparty ist – in keinem Moment peinlich oder bemüht. Der locker-sympathische Umgang der beiden mit ihrer eigenen Geschichte lässt keinen Zweifel aufkommen: Sie sind im Reinen mit sich.


