Nach „Waffenschwestern“ konnte man eben schon wieder einen Tatort im Westernformat genießen … Konzeptuell ist das schon mal gut durchdacht, denn nachdem letztens die Frankfurter Ermittlerin Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) in Abwesenheit ihres sich auf Fortbildung befindlichen Kollegen Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) in einen waschechten Frauenwestern geraten ist, gibt es nun für Dellwo die Gelegenheit, sich zu beweisen. Von einer Midlife-Crisis befallen, besucht er seine Ex-Freundin Katrin auf dem Land, die dort mit ihrem Mann und zwei Kindern auf einem Bauernhof lebt. Und schon steckt der Komissar mitten in einem neuen Mordfall. Regisseur Manuel Flurin Hendry geht am Anfang noch zaghaft vor, lässt dann die filmischen Vorbilder immer deutlicher werden. Alleine das Grundgerüst lässt gleich an diverse Western denken: Ein von einem mächtigen ‚Farmer‘ kontrolliertes Dorf – sogar der ‚Sheriff‘ ist von ihm abhängig – versucht die Aufdeckung eines Mordfalls zu behindern. John Sturges‘ „Stadt in Angst“ (’55) mit Spencer Tracy fällt einem vielleicht als erstes dazu ein. Die Orte des Geschehens: Die kleine Farm, der Saloon, das Gefängnis, die Landstraße. Vor allem die Kameraarbeit von Andreas Doub („Berlin Calling“) legt hier eine sichere Fährte zu Vorbildern, zum Beispiel zu den Panoramen eines John Ford: weite Landschaftstotalen, viele Einstellungen in Untersicht, was zu der bedrohlichen Grundstimmung der Folge beiträgt und andere außergewöhnliche Perspektiven – z.B. diverse Male Vogelperspektive. Mitunter wirkt das etwas maniriert, insgesamt ist das aber sinnvoll eingesetzt (die Schweine im Anhänger kann man eben nur von oben sehen). Die Musik, übrigens bei „Waffenschwestern“ wie bei „Neuland“ von Fabian Römer komponiert, ist atmosphärisch, manchmal sogar – wie in der Szene auf dem Verkehrsübungsplatz – sehr humorvoll kontrapunktisch eingesetzt. Hendry liefert dann ähnlich wie in „Waffenschwestern“ im Finale den letzten Verweis mit dem Holzhammer, wenn der Großmogul mit seinem Sohn (wie immer großartig: Devid Striesow) in schwarzer Westernmontur auf dem Leichenschmaus auftaucht. Der Frankfurt-Tatort entwickelt sich langsam zum Ort für stilistisch gelungene Genreübungen, die auch immer dramaturgisch überzeugen.
Eine Antwort auf „Wieder Western-Tatort“
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Wenn ich das lese ärgere ich mich so richtig, dass ich den verpasst habe.