Takeshi Kitano Collector’s Box

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Die TV-Show „Takeshis Kastle“, eine Art reales Jump ‚n’ Run-Spiel, enthielt in der zweiten Hälfte der 80er Jahre als Substrat bereits die verstörende Mischung aus Spaß und Gewalt, die die ab 1989 folgenden Filme von Takeshi Kitano prägen sollten … Und doch war man zu der Zeit weder in Japan, wo er als Komödiant und Moderator längst ein Superstar war, noch in Europa, dort bis dahin noch völlig unbekannt, auf Kitanos Regiearbeiten vorbereitet,. Die ersten beiden Filme „Violent Cop“ (’89) und „Boiling Point“ (’90) ernteten in Japan Kritikerlob, waren aber kein Publikumserfolg, weil man Beat Takeshi, wie er sich als Darsteller nennt, weiterhin nur als Komiker sehen wollte. Seine Rolle in „Violent Cop“ ist allerdings alles andere als komisch: Der Film um einen Gesetze überschreitenden Polizisten (Kitano) im Kampf gegen Korruption und die Mafia steht noch sehr im Einfluss des klassischen Cop-Films der 70er und 80er Jahre, irritiert aber mit seinem Kontrast aus Ruhe und Gewalt nachhaltig. In „Boiling Point“ stellt Kitano den Momenten der Gewalt erstmals komödiantische Szenen und ungewöhnlich ruhige Bilder voller Schönheit zur Seite, die dem Film eine poetische Note verleiht, die Gewaltexzesse zugleich aber noch willkürlicher erscheinen lässt. Der junge Masaki (Masahiko Ono) gerät in Konflikt mit den örtlichen Yakuza. Der leicht verrückte Yakuza Uehara (Kitano) hilft ihm. Mit „Sonatine“ feiert Kitano 1993 endlich den verdienten Erfolg in Cannes, ins Kino schafft es dieses Meisterwerk seinerzeit trotzdem nicht. Mit „Sonatine“ entfaltet sich die verstörende Mischung aus Gewalt und heiterer bis melancholischer Zärtlichkeit zur Perfektion. Unterstützung findet er in der Kameraarbeit von Katsumi Yanagishima und der Filmmusik von Joe Hisaishi, die ihn beide bei seinen zukünftigen Projekten begleiten sollten. „Sonatine“ mäandert zwischen einer naiven Utopie kindlicher Glückseeligkeit (die infantilen Strandszenen mit ihrer subtilen Aggression sind immer noch unfassbar) und deren brutaler Zerstörung.
(Rapid Eye Movies)

Zuerst erschienen in intro 04/09