Teil fünf und sechs der Intro Edition Asien könnten kaum unterschiedlicher sein: hier ein absolut minimalistischer Horrorstreifen, dort ein pompöses Melodram mit Musicaleinlagen …„Ich werde mein Leben aus eigener Kraft zum Blühen bringen“, sagt Kiyoha, die Hauptfigur in „Sakuran“. Sie wird mit acht Jahren an ein Bordell verkauft. Als Kurtisane gibt sie sich von Anfang an widerspenstig, kann sich aber auch gut verstellen, um ihre Umgebung für ihre Interessen einzuspannen. Kiyoha kämpft für ihre Freiheit in der Gefangenschaft und am Ende sogar für die absolute Freiheit. „Sakuran“, eine Manga-Verfilmung von Japans bekanntester Fotografin Mika Ninagawa, ist ein großes Popspektakel, das die Prinzipien von Revolte und Überaffirmation in derselben Konsequenz betreibt wie die Protagonistin. „Sakuran“ ist ein knallbunter Historienfilm mit zeitgenössischen Musicaleinlagen, der seine Protagonistin hemmungslos schwärmerisch als Popstar inszeniert.
Überleitung von Quietschbunt zu Dunkelgrau: Die Ausgangslage von „Haze“ ist so diffus wie bekannt – zumindest, wenn man „Cube“ von 1997 gesehen hat. Vincenzo Natalis stripped to the bone-Horrorfilm setzte einen Haufen Leute in ein abstraktes Bauwerk voller tödlicher Tücken. „Cube“ galt als die bis dato minimalistischste Version des Zehn-kleine- … sie wissen schon -Prinzips des Horrofilms: Am Ende überlebt nur einer das Gemetzel. „Haze“ lässt „Cube“ wie ein aufgemotztes Hollywood-Spektakel erscheinen. In Shinja Tsukamotos Labyrinth herrscht nicht der gut ausgeleuchtete High-Tech-Schrecken von „Cube“, hier ist das Grauen wirklich grau. Und eng. Und hart. Der von Tsukamoto dargestellte Protagonist ist von Anfang an ganz auf sich gestellt. Ein Film, der alleine schon physisch so beklemmend ist, dass für die Frage nach dem Warum, die Natalis Film beherrscht, keine Luft bleibt. Tsukamoto, der Ende der 80er Jahre mit technoidem Industrial-Horror à la „Tetsuo“ bekannt wurde und mit „Vital“ eine poetische Sinnlichkeit ins Todesspiel brachte, legte 2005 mit „Haze“ einen archaischen, existentialistischen Horrortrip in Reinform vor. Das kommt dem, was man sich des Nachts so an wirrem und nur rudimentär dramaturgischem Alb zusammenträumt viel näher, als sämtliche „Saw“- oder „Hostel“-Folgen. Dabei ist „Haze“ gerade einmal 50 Minuten lang. Aber man muss ihm das danken. Viel länger würde man diese permanente körperliche Anspannung wohl auch nicht aushalten.
Zuerst erschienen in intro 08.09



