Joni und Laser, die Kinder eines lesbischen Ehepaars, wollen ihren leiblichen Vater kennenlernen. Dadurch gerät das familiäre Gefüge ins Wanken … Mit der britischen Band The Who und deren gleichnamigem Konzertfilm von 1979 hat Lisa Cholodenkos ungewöhnlicher Familienfilm so gar nichts gemein. Cholodenko zeigt uns mit betonter Selbstverständlichkeit die Familie von Nic, Jules, Joni und Laser. Die letzten beiden sind die Kinder, die ersten beiden ihre Mütter. Nic (Annette Bening, „American Beauty“) und Jules (Julianne Moore, „A Single Man“) haben vor 18 Jahren entschieden, dass sie zusammen Kinder haben wollen. Eine anonyme Samenspende konnte helfen und wurde gleich zweimal verwertet. Mit 18 Jahren haben die Kinder das Recht, die Identität des Spenders zu erfahren, und so wendet sich Joni (Mia Wasikowska) auf Wunsch ihres jüngeren Bruders Laser (Josh Hutcherson) an die Samenbank. Kurz darauf sitzen die Geschwister tatsächlich vor Paul (Mark Ruffalo, „Shutter Island“), ihrem leiblichen Vater. Der ist eigentlich ganz cool: Er sieht gut aus, ist locker drauf und führt ein gut laufendes Bio-Restaurant. Die Moms sind allerdings skeptisch. Sie fürchten um ihre Stellung als Eltern und würden die neue Konkurrenz lieber nicht zu nah an die Familie heran lassen. Doch dafür ist es zu spät: Nicht nur die Kinder finden Gefallen an ihrem Vater, auch Paul freut sich über das unverhoffte Familienglück. Er schränkt sogar sein ausschweifendes Liebesleben etwas ein. Mit der sensiblen Jules freundet er sich schließlich auch an, nur die geradlinige Nic hält ihn auf Distanz. Nach einem gemeinsamen Abendessen kommt es schließlich zum Eklat.
Lisa Cholodenko, die gleich mit ihrem Debüt „High Art“ mit Radha Mitchell in ihrer ersten Hauptrolle für Aufmerksamkeit sorgte, erzählt von der ungewöhnlichen Familie mit der größten Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit. „The Kids are alright“ ist kein Drama, das den ungewöhnlichen Lebensentwurf problematisiert. Es ist auch eine Komödie, die das Außergewöhnliche auf Lacher abklopft. Die Tränen und die Lacher entstehen jenseits der speziellen Ausgangslage und unabhängig von einer spezifischen sexuellen Orientierung in ganz normalen zwischenmenschlichen Momenten.
Genau diese Momente fängt Cholodenko mit ihren Darstellerinnen herzerwärmend ein. Der Witz geht ihr ebenso leicht von der Hand wie die tragischen Momente. Man ist sofort von den Figuren eingenommen. Der Film unterschlägt auch die Fehler und Schwäche der Figuren nicht, doch er beschädigt sie nie nachhaltig. Mag sein, dass die sommerliche Stimmung in Los Angeles zu der Gesamtwirkung des Filmes beiträgt, doch alleine für die unverkrampfte Stimmung muss man Cholodenko dankbar sein. „Der ideale Film für die ganze Familie“ steht im Presseheft zu lesen. Ein Satz, der gerne für dezent biedere Familienkomödien aus Hollywood herhalten muss. Doch auch und vielleicht vor allem hier solle er seine volle Berechtigung haben. Ausnahmsweise hat ein filmisches Plädoyer für die Kleinfamilie nicht den faden Beigeschmack des neuen Konservatismus.
Bundesstart: 18.11.2010)
Zuerst erschienen in choices 11.10


