Holden: Idiots are winning

And the winner is: James Holden

Auf dem Cover Abstrakter Expressionismus, darin als Suchbild versteckt eine Windmühle. Da kommt man schnell auf die Idee, dass die gewinnenden Idioten des Albumtitels à la Don Quixote gegen Windmühlen ankämpfen. Was hat James Holden damit zu tun? Der ist Mitte zwanzig, studiert oder studierte Mathematik und ist das gefeierte Wunderkind des britischen Techno – niemand bezweifelt das. Vielleicht ist er der Idiot, der den Kampf gegen die Mühlen der Plattenindustrie gewonnen hat?

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Noch keine zwanzig Jahre alt, hat er bei dem Label Silver Planet einen äußerst ungünstigen Vertrag unterschrieben, weswegen er für die zehntausenden Platten, die er verkaufte, wenig Geld sah, keine Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern machen durfte und seinen Namen James Holden nur für Silver Planet verwenden durfte. Es dauerte einige Zeit, bis er da raus kam, sein eigenes Label Border Community gründete und als Holden seine damaligen, wahnsinnigen Erfolge als Trance-Produzent in größte Credibility als beeindruckender Technoproduzent ummünzen konnte. Denn eigentlich steht er gar nicht so sehr auf massenkompatiblen Trance, sondern mag ziemlich verquere Sounds, die zusammen mit den sich aufschraubenden rhythmischen Kleinteilen – man höre sich nur das wirbelnde „Corduroy“ an – deutlich an den Plastikman aka Richie Hawtin der frühen 90er Jahre erinnern beziehungsweise eine Brücke zwischen Kollegen wie Isolée, Ricardo Villalobos und Aphex Twin schlagen. Dabei entstehen nicht nur Tanzstücke, sondern auch verschroben-atmosphärische Soundgebilde, die mit verdrehten und verzerrten Klängen und rhythmischen Eskapaden spielen. Aber für den Club produziert er natürlich auch. Bereits auf seinem außergewöhnlichen DJ-Mix „At the Controls“ konnte man seine sagenhaften Tracks „Lump“ und „10101“ hören, die einen nicht nur mit spektakulären Sounds, sondern auch mit wunderschönen Melodien überwältigen. Ein Idiot? Hm… Gewonnen hat er mit seinem neuen Album auf jeden Fall.
(Border Community/PIAS/Rough Trade: VÖ: 17.11.2006)

Zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 12/06