„Die Reise ins Glück“ von Wenzel Storch (Interview)

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Die Reise ins Kino

Nach 10 Jahren kommt Wenzel Storchs dritter Spielfilm „Die Reise ins Glück“ endlich ins Kino. choices sprach mit dem Regisseur über das Filmemachen und die deutsche Filmlandschaft.

Woher nimmst Du die Energie und Zuversicht, ein Projekt wie „Die Reise ins Glück“ über zehn Jahre lang mit nur spärlichen finanziellen Mitteln durchzuhalten …

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„Die fetten Jahre sind vorbei“ von Hans Weingartner (Review & Interview)

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„Die fetten Jahre sind vorbei“ oder „Sie haben zu viel Geld“ lauten die Botschaften, die die beiden linken Aktivisten Jan und Peter bei ihren nächtlichen Streifzügen durch Villen hinterlassen. Geklaut wird jedoch nichts, sie stellen nur die Einrichtung auf den Kopf. Als Jan bei einem Streifzug mit Peters Freundin Jule auf den Besitzer trifft, gerät ihre Aktion außer Kontrolle. Zu dritt entführen sie ihn…

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„Bad Santa“ von Terry Zwigoff

Der trunksüchtige Tresorknacker Willie T. Stokes ist Kaufhaus-Weihnachtsmann, sein kleinwüchsiger Kollege Marcus mimt den Kobold. Doch das alles ist nur Tarnung für ihre nächtlichen Raubzüge. Als ein kleiner, dicker Junge, der sich partout nicht davon abbringen lassen will, an den Weihnachtsmann zu glauben, auftaucht, wird’s kompliziert…

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Eine solche „Klamotte“ war von Terry Zwigoff nicht gerade zu erwarten. Der mehrfach ausgezeichnete Regisseur machte bislang mit ganz anderen Filmen von sich reden: 1994 überraschte er Kritik und Publikum mit dem großartigen Dokumentarfilm „Crumb“ über Robert Crumb, die Ikone des US-amerikanischen Underground-Comics – der Film war seiner Zeit der dritterfolgreichste Dokumentarfilm aller Zeiten. Auch sein nächster Film, der Spielfilm „Ghost World“, hatte mit Comics zu tun, handelte es sich doch um die gelungene Adaption von Daniel Clowes gleichnamigen Comic um das Leben zweier Mädchen in den öden Suburbs der USA. Clowes wird auch Co-Autor seines nächsten Films „Art School Confidential“ sein.

Bad Santa, sein aktueller, von den Coen-Brüdern produzierter Film, hat mit Comics nicht am Hut, es sei denn man charakterisiert die dort gezeigten Übertreibungen als ‚comichaft’. Billy Bob Thornton weiß als trunksüchtiger, fluchender und nicht zuletzt krimineller Weihnachtsmann zu überraschen. Spaß an der Übertreibung wird er beim Dreh gehabt haben: wenn er nicht versoffen in Bars rumhängt, sieht man den von ihm verkörperten Willie Stokes entweder fluchend mit kleinen Rotzlöffeln auf dem Schoß oder hintenüberkippend in seiner eigenen Kotze versinkend. Die zunächst verbalen, dann zunehmend körperlicher werdenden Gefechte zwischen Thornton und seinem kleinwüchsigen Partner Tony Cox sind herrlich derbe. Wenn sich dann noch der 8jährige Brett Kelly als der unbeirrt an den Weihnachtsmann glaubende Thurman zu diesem ungleichen Paar gesellt, ist das an Absurdität kaum zu überbieten. Es ist etwas gemein, aber Kelly kassiert als kleiner, dicker, rothaariger Junge alleine schon mit seinem Aussehen reichlich Lacher. Wenn er dann noch in unnachahmlicher Beharrlichkeit wider alle Bösartigkeiten des Gegenübers mit treudummem, bewegungslosem Gesichtsausdruck Stokes anstarrt, ist das an Komik kaum zu überbieten. Trotz aller Exzentrik gibt es aber auch bei Zwigoff eine Art Happy-End – es ist ja schließlich ein Weihnachtsfilm.
(Bundesstart: 18.11.04)

Zuerst erschienen in choices 11/04

„American Splendor “ von Shari Springer Berman & Robert Pulcini

Harvey Pekar ist Angestellter in der Verwaltung eines Krankenhauses in Cleveland. Der nerdige Platten- und Comicsammler, zweifach geschieden, beginnt 1976 mit Hilfe von Robert Crumb seine Alltagserlebnisse in Comicform zu veröffentlichen – und erfindet damit erfolgreich ein neues Genre.

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Comics werden häufig immer noch mit Superhelden und Knollennasen gleichgesetzt, und das Kino leistet bei diesem Missverständnis einen nicht unerheblichen Beitrag. Comicverfilmungen finden derzeit zahlreich den Weg in unsere Kinos: Hellboy, Spiderman, Daredevil, The Punisher – um nur einige zu nennen. Den meisten von ihnen ist jedoch gemein, dass es sich dabei um mittelmäßige Verfilmungen von mittelmäßigen Comics handelt. Doch es gibt Ausnahmen: mit Hulk von Ang Lee entstand eine ambitionierte Verfilmung eines mittelmäßigen Comics, mit „The Extraordinary Gentlemen“ allerdings auch eine äußerst ärgerliche Adaption der tollen Comic-Vorlage des meisterlichen Alan Moore, unwesentlich gelungener ist die Filmversion seines Jahrhundertwerks „From Hell“. Ganz selten nur entsteht aus einer guten Vorlage ein guter Film. „Ghostworld“ war einer dieser seltenen Glücksfälle, „American Splendor“ ist ein weiterer.

Dabei lässt sich zunächst nicht einmal klar sagen, ob „American Splendor“ überhaupt eine Adaption des gleichnamigen, autobiographischen Comics ist, oder „nur“ ein Dokumentarfilm über dessen Autor. Genau diesem Wirrwarr ist die erzählerische Komplexität des Films geschuldet. Denn gleich auf vier verschiedenen Ebenen wird das Leben des leicht neurotischen Misanthropen Harvey Pekar nachgezeichnet: Tatsächlich gezeichnet in gefilmten Ausschnitten aus den Comics und für den Film animierten Zeichnungen, die teilweise in Spielfilmszenen integriert sind; des Weiteren mittels dokumentarischen Materials (z.B. aus den legendären Auftritten Pekars bei der David Letterman Show in den 80er Jahren); außerdem in Interview-Einschüben, die mit Pekar im Studio gefilmt wurden; schließlich und hauptsächlich mit Spielfilmszenen, die klassisch mit Schauspielern (als Pekar Paul Giamatti/ „Truman Show“) inszeniert sind und kongenial die deprimierende Schlichtheit von Pekars Angestellten-Dasein in der Industriestadt Cleveland darstellen. Die verschiedenen Ansätze überschneiden sich und sind kunstvoll und virtuos ineinander verwoben.

Die anspruchsvolle und komplexe Machart des Films trägt der Tatsache Rechnung, das „American Splendor“ seinerzeit richtungweisend für die Comicgeschichte war und 1987 mit dem American Book Award ausgezeichnet wurde. 1976 traf Pekar den Star der Underground-Comix, Robert Crumb, den er einige Jahre zuvor durch ihre gemeinsame Sammelleidenschaft von Comics und alten 78er Platten auf dem Flohmarkt kennen gelernt hatte. Er zeigte Crumb seine Skizzen. Der war sofort begeistert von dem neuartigen Konzept, einen autobiografischen Comic über Alltagserlebnisse zu machen – das gab es in dieser Konsequenz noch nicht. Er bot sich an, die Stories für den zeichnerisch untalentierten Pekar umzusetzen. Fortan erschien ungefähr einmal im Jahr eine Ausgabe des Heftes, das schnell zum Publikumsliebling auch jenseits der Undergroundcomic-Szene avancierte.

Die wohl erste autobiografische Comic-Serie (Crumb selber verwendete zuvor nur ansatzweise autobiografische Elemente, später allerdings massiv) wurde bis in die 90er Jahre von Pekar selbst, dann von Dark Horse verlegt und von wechselnden Zeichnern illustriert: neben Crumb, der bereits Mitte der 90er Jahre mit der Kino-Doku „Crumb“ gewürdigt wurde, unter anderem von Joe Sacco (der später u.a. mit „Palästina“ das Genre des autobiographischen Reportage-Comics begründete), Drew Friedman, Jim Woodring und Dean Haspiel. Letzterer zeichnet auch für die Animationen im Film verantwortlich. Neben einigen Sammlungen im Buchformat erschien ebenfalls das Comicprojekt „Our Cancer Year“, an dem er zusammen mit seiner Frau Joyce Brabner (in den Spielszenen Hope Davis/ „About Schmidt“) anlässlich seiner Krebserkrankung arbeitete.

Leider gibt es bislang keine einzige deutsche Übersetzung von „American Splendor“, aber vielleicht wird der Film das ändern. Natürlich gibt es inzwischen in den USA, nach all dem Wirbel um den Film in Cannes und auf dem Sundance-Festival, einen neuen Comic von Pekar: „Our Movie Year“, wieder gezeichnet von Dean Haspiel.
(Bundesstart: 17.9.04)

Zuerst erschienen in choices 09/04

Nachtrag: Am 29.6.2005 ist die reich mit Bonusmaterial ausgestattete DVD zum Film bei Sunfilm Entertainment erschienen.

„Die Geschichte von Marie und Julien“ von Jacques Rivette

Wandernde Schatten, hinkende Zeit

Julien, ein zurückgezogen lebender Uhrmacher, erpresst die Stoffhändlerin Madame X. Als er die geheimnisvolle Marie kennen lernt, verändert sich sein Leben, aber nicht seine erpresserische Ader. Nun erpressen Marie und Julien gemeinsam Madame X. Die jedoch scheint Maries Geheimnis zu kennen.

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Mit 75 Jahren macht Jacques Rivette, der Sonderling unter den Sonderlingen, der Solitär unter den Regisseuren der Nouvelle Vague, seinen 25. langen Spielfilm. ‚Lang’ musste man bei ihm immer schon besonders wörtlich nehmen: im Vergleich zu dem 210minütigen Film „Die schöne Querulantin“, Rivettes letzter Film mit Emmanuelle Beart, nimmt sich deren aktuelle Zusammenarbeit „Die Geschichte von Marie und Julien“ zwar recht kurz aus, doch 150 Minuten sind auch noch eine lange Zeit im Kinosaal. Erst recht, wenn das, was man gemeinhin als die Handlung bezeichnet, relativ einfach in zwei Sätzen rekapituliert werden kann.

Relativ einfach? Das wäre es vielleicht, wenn man es bei den Filmen von Jacques Rivette mit narrativen Kunstwerken zu tun hätte. Das ist aber nicht im klassischen Sinn der Fall. Stattdessen sieht man lediglich, wie sich 3-4 Personen in wechselnden Zweierkonstellationen beäugen, beschnuppern und abschätzen, erzählt in vier Kapiteln, die die Perspektive und den Schwerpunkt variieren („Julien“; Julien und Marie“; „Marie und Julien“, Marie“): Julien trifft Marie, sie zieht bei ihm ein, sie leben miteinander. Julien trifft Madame X, sie verhandeln miteinander, trennen sich wieder. Madame X trifft ihre Schwester, sie verzeihen einander, trennen sich wieder. Marie trifft diese Schwester, sie reden miteinander, trennen sich wieder. Dazwischen und währenddessen: Maries Erscheinung und Verhalten ist geheimnisvoll, Julien versucht das zu verstehen. Und wir, im Kinosaal, versuchen das auch.

Rivette hatte immer schon eine Neigung zum Geheimnisvollen, Mystischen, ohne deshalb in die entsprechenden Genres zu gleiten. Denn er bedient sich nicht dieser Elemente, um dramatische Effekte zu erzielen, uns zu erschrecken. Was wir sehen, sieht nämlich sehr nach Alltag aus. Nein, diese Elemente schleichen sich in seine Filme, weil er dort dem Leben, und das ist geheimnisvoll, mit einer großen Intensität nachspürt. Diese Intensität hat auch mit der Länge der Filme zu tun, mit der (Aus-)Dauer und der Ruhe, aber nicht nur. Entscheidend für diese Intensität ist vor allem Rivettes Arbeitsweise: Er hat seit seinen ersten Filmen der Improvisation großen Raum eingeräumt. Das führt dazu, dass er die Momente des Zufalls stark in seine Filme integriert. Der Zufall, das Ungeplante, ist lebendig, während das geplante Kunstwerk (und so auch Genres) eine eher statische Konstruktion ist. Rivette nimmt sich als konstruierenden Künstler, als intendierenden Autor, sehr zurück. Er kommt damit von der Produzentenseite einem Kunstverständnis entgegen, das die Rezeption als eine das Kunstwerk erst konstituierende Praxis aufwertet und die Produktion lediglich als vage Vorgabe für diese Leistung sieht: Rezeptionsästhetik kontra Werkästhetik! All die Details – durch die Schauspieler, die Kamera oder das Licht bedingte Nuancen der Geschichte – sind also nicht zwingend Absichten des Regisseurs, die durch ihn in der Geschichte eine bestimmte Bedeutung erhalten. Aber sie sind da! Und sie haben eine Bedeutung, sogar viele Bedeutungen! Die kann jeder Zuschauer für sich finden – 150 Minuten und länger hat er Zeit dafür, vage geleitet von einigen (mystischen) Ereignissen, stimmungsvoll kreisenden Schattenwürfen und asynchronem Uhrenticken. Auf dass man ein wenig die rationale Perspektive verliert, in einer Geschichte um Leben und Tod, die letztendlich nur auf das eine, alles Irdische überwindende Gefühl abzielt: die Liebe.

Die „Geschichte von Marie und Julien“ umgibt übrigens auch im wirklichen Leben ein Geheimnis. Die Geschichte von „Marie und Julien“ hat Rivette bereits in den 70er Jahren drehen wollen. Nach dem zweiten Drehtag verschwand er aus bislang ungeklärten Gründen für längere Zeit. Nun hat er, nachdem alte Aufzeichnungen wieder aufgetaucht sind, den Film endlich gedreht. Nein – natürlich einen ganz anderen.
(Bundesstart: 26.8.2004)

Zuerst erschienen in choices 08/04

„Turnaround“ von Celine Keller

Man könnte ganz kurz glauben, in einen Propagandafilm für das Glück der braven Kleinfamilie geraten zu sein. Aber wirklich nur ganz kurz! Denn die kleine Familie, die am Happy End von Céline Kellers 44Minütigem Comic-Film “Turnaround” steht, ist alles andere als normal. Und spießig schon gar nicht: Die allein erziehende Mutter Lana ist glücklich mit ihrer neuen Freundin liiert; Leon, der eigentlich Lanas bei einem wissenschaftlichen Experiment zum Kind verjüngter Ehemann ist und den sie nun als ihren Sohn ausgibt, ist eine kindliche Liebesbeziehung mit seinem nun ebenfalls verjüngten Psychotherapeuten eingegangen. Konzipiert wurde die fantastische Story von Céline Keller und dem Produzentenduo Graw Böckler, die „Turnaround“ als DVD auf ihrem Label „Raum für Projektionen“ veröffentlichen. Gezeichnet, getextet und animiert hat Keller ihren Debut-Film in nur einem knappen halben Jahr.

Mit dem munteren turnaround der Identitäten stehen so ziemlich alle gesellschaftlichen Determinationen, vom Alter über das Geschlecht bis zur Sexualität, aber auch der persönliche Lebensentwurf zur Disposition. „Turnaround“ spielt vor, wie es auch – und vielleicht besser – sein könnte. So verwirrend die Geschichte zunächst ist, so klar ist ihre ästhetische Umsetzung: Kellers Zeichnungen sind geprägt von klaren Linien und starken schwarz/weiss-Kontrasten, mitunter arbeitet sie auch mit verfremdetem Foto- und Filmmaterial. Farbe tritt nur gelegentlich auf und setzt dann deutliche Akzente. Die Art, wie die Comic-Künstlerin ihre Bilder auf die Zeitachse des Films überträgt, machen „Turnaround“ auch zu einer formalen Besonderheit: Animation im herkömmlichen Sinne, d.h. sich bewegende Figuren, sieht man zwar auch. Geprägt ist der Film allerdings von den als unbewegliche Einheit im Bild umhergeschobenen Elementen – Personen, Objekte, Hintergründe. Auch die Dialoge werden nicht wie im herkömmlichen Zeichentrickfilm gesprochen, sondern verbleiben in der Comicform der Sprechblase. Einziger Ton des Films ist die zwischen 60er-Jahre Easy Listening und House mäandernde Musik von Holger Fath-Tati. Als Bonus gibt es auf dieser außergewöhnlichen DVD, die ein großes Publikum zwischen Comic-, Kunst- und Schwulen-/Lesben-Szene verdient hätte, ein Musikvideo zum Titelsong (Gesungen von Keller) und einen Behind-the-Scenes-Bericht.

Céline Keller: „Turnaround“; DVD-R. Zu beziehen über Graw Böckler: grawboeckler@gmx.de; Tel./Fax +49 221 124100; www.raumfuerprojektionen.de
Comics von Céline Keller über CELINEK@gmx.de

Zuerst erschienen in Strapazin Nr. 76, 03/04

„Zatoichi – Der blinde Samurai“ von Takeshi Kitano

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Takeshi Kitano findet zurück zu alter Meisterschaft

Der blinde Samurai Zatoichi verdingt sich als Masseur. In einem kleinen Bergdorf trifft er auf die Ginzo-Gang, die gerade den Samurai Hattori als Leibwächter engagiert hat. Als das Unrechtsregime der Gang immer skrupelloser wird, greift der blinde Samurai ein und gibt zu erkennen, dass er ein ungewöhnlich guter Kämpfer ist …

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„Böse Zellen“ von Barbara Albert

Manu stürzt mit dem Flugzeug ab. Sie ist die einzige Überlebende des Unglücks. Sechs Jahre später verunglückt sie mit dem Auto. Sie ist die einzige Tote des Unfalls. Ihr soziales Umfeld lebt natürlich weiter. Zusammen, alleine – aber irgendwie anders als zuvor.

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„Böse Zellen“ ist eine Aneinanderreihung von locker montierten Szenen. Es Episoden zu nennen wäre zu hoch gegriffen. Es sind kurze Ereignisse: zwei Menschen treffen aufeinander, es wird geredet, geschlagen, gevögelt, gegessen, geschlafen, geweint. Oder: zwei Menschen treffen nicht aufeinander, ein Mensch bleibt alleine: es wird geschlafen, gegessen, geweint, vor sich hin gestarrt. Mit diesem ruhigen Reigen entfaltet sich eine Kartographie der verschiedenen Personen, die durch Manu direkt oder indirekt miteinander in Kontakt stehen. Die Kamera beobachtet ganz sachlich und nüchtern – fast vorsätzlich kühl, so kommt es einem vor – das Geschehen. Den Film durchweht ein kalter Luftzug, denn Wärme will sich trotz des offensichtlichen Wunsches aller Protagonisten zwischen den Menschen dauerhaft nicht einstellen. Warum das nicht? Weil, wenn das geschehen würde, ein Wunder in dieser Welt geschehen wäre. Glück und Liebe sind so kostbar wie sie selten sind – kleine Wunder. Oft greifbar nah, aber selten zu erreichen, geschweige denn lange zu halten.

In dieser Welt ist sogar die Liebe, geprägt von Abhängigkeitsverhältnissen, kälter als der Tod. Der Tod hingegen scheint ganz warm zu sein. Manchmal suggeriert die Kamera, wenn sie die hilflosen Wesen aus der Vogelperspektive in ihren kleinen Wohn-Zellen, die dann eher nach Gefängniszellen aussehen, etwas sensibler beobachtet, einen mitfühlenden Blick der Freundin, Mutter oder Ehefrau Manu. Gegen Ende, wenn Manus Freundin Andrea im Schneesturm sterben möchte, scheint die tote Manu sie anzuhauchen, ihr wieder Leben einzuhauchen und sie zu wecken. Diese Fantasie ist eine der wenigen tröstlichen des Films. Ansonsten wirft er einen mit unerbittlicher härte auf die Tatsache zurück, dass ein stabiles Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Glück durch nichts garantiert werden kann und dass alle Versuche der Kompensation – durch Kaufrausch, Sex oder Glauben – das nicht überspielen können. Es bleiben einem nur ein paar ganz kurze schöne Momente, kleine Wunder, wenn man sie denn bemerkt.
(Bundesstart: 1.4.04)

Zuerst erschienen in choices 04/04

„Blessing Bell“ von Sabu

Eine Fabrik: die Arbeiter stehen vor verschlossenen Türen. Der ebenfalls entlassene Igarashi startet einen schweigsamen Marsch durch die Stadt und begegnet dabei den unterschiedlichsten Menschen und gerät in die ungewöhnlichsten Situationen.
Ruhiges, kaleidoskopisches Gesellschaftsportrait

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Eigentlich kennt man Sabu – neben seiner Tätigkeit als Schauspieler für u.a. Takashi Miike – vor allem als Regisseur quirliger und stilistisch wechselhafter Yakuza-Filme. Mit seinem irrwitzigen Debut „D.A.N.G.A.N. Runner“ (´96) oder „Unlucky Monkey“ (´98) empfahl er sich als Meister der überraschenden wie kunstvollen Abschweifung. Sein neuer Film „Blessing Bell“ ist eine einzige, große Abschweifung. Insofern sind die Handlungs- und Stilbrüche hier wesentlich dezenter als in seinen früheren Filmen. Sabu selbst sagt, dass dieser Film vollkommen anders ist, als alles, was er bislang gemacht hat.

Igarashi streift, nachdem ihm gekündigt wurde, ziellos durch die Straßen der Stadt. Seine Wegstrecke ist der rote Faden, an dem die kleinen Geschichten des Films aufgezogen sind. Daher macht eine Nacherzählung des Plots wenig Sinn: „Blessing Bell“ erscheint mehr wie ein Episodenfilm, denn wie ein abendfüllender Spielfilm. Igarashi, engelsgleich, beeinflusst mit seiner stummen, passiven Präsenz Schicksale und führt Menschen zueinander (in einer solchen Nebenrolle ist als Hommage an Sabus großes Vorbild der Regisseur Seijun Suzuki zu sehen). Daneben ist die Ästhetik des Films das einzig verbindende Element zwischen den Szenen: Kameramann Masao Nakabori ist ein Meister des kunstvollen Bildausschnitts. Er lässt die häufig zu Stills eingefrorenen, langen Einstellungen zu einem Genuss werden. Man kann sich an den Bildern, die nicht selten wie eine Mischung der Inszenierten Fotografie eines Jeff Wall und dem überhöhtem Doku-Stil eines Andreas Gursky aussehen, kaum satt sehen. Und die Ruhe, die die Bilder ausstrahlen, lassen dem Zuschauer Zeit für kleine Meditationen zum Gesehenen.
Wenn schließlich der Manierismus des schweigenden Igarashi (gespielt von Susumu Terajima mit Buster Keaton’schem ‚stone face’) gegen Ende des Films droht, zu penetrant zu werden, zieht Sabu die Notbremse beziehungsweise legt im wörtlichen Sinn den Rückwärtsgang ein und endet dann mit einer befreienden, so geschwätzigen wie albernen Überraschung. Alleine für diese Szene muss man den Film lieben.
(Bundesstart: 11.3.04)

Zuerst erschienen in choices 03/04

Can DVD

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Die wegweisendste, einflussreichste und legendärste Kölner Rockband der Geschichte? Nein – der Name beginnt natürlich nicht mit „B“ wie Bap, Bläck Föös oder Brings! Man muss einen Buchstaben im Alphabet weiterrücken um bei „C“ wie Can zu landen …

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KunstFilmBiennale 2003, Köln

Kunst im Kino

Nach einem erfolgreichen „Vorspiel“ Ende letzten Jahres fand vom 26.Oktober bis zum 2. November in Köln die erste reguläre KunstFilmBiennale mit internationalem Wettbewerb statt. Die Schnittstelle zwischen Bildender Kunst und Film in Form von Künstlerfilm, Kunst im Film und Film über Kunst war Thema des einwöchigen Film-Festivals, auf dem rund 180 Filme gezeigt wurden.

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Filmverleih „Rapid Eye Movies“

Mit Gewalt gegen die Großen

Gerade ist „Dolls“, der neue, bildgewaltige Film von Takeshi Kitano, in den deutschen Kinos angelaufen. Kitano, den japanischen Tausendsassa, kennt man inzwischen auch hierzulande. Seine Spielfilme sind außergewöhnliche Gratwanderungen zwischen exzessiven Gewaltausbrüchen und außerordentlich sensiblen Bildkompositionen. Dass seine Filme spätestens seit „Sonatine“ (1993, zeitverzögert in den deutschen Kinos) eine große Fangemeinde gewonnen haben, ist unter anderem dem kleinen Kölner Filmverleih Rapid Eye Movies (R.E.M.) zu verdanken. Der Verleih wurde vor sieben Jahren von Antoinette Köster, Stephan Holl und Sigrid Limprecht, die zugleich Geschäftsführerin der Bonner Kinemathek ist, gegründet. Gestartet hat man mit dem Anime „Ghost in the Shell“ und damit gleich ein ganzes Genre ins hiesige Bewusstsein gerückt. Denn von Anfang an wollte man „filmisches Neuland betreten“, wie Stephan Holl berichtet. Seitdem hat Rapid Eye Movies pro Jahr fünf bis zehn Filme in die deutschen Kinos gebracht, darunter solch außergewöhnliche und schockierende Arthouse-Filme wie Takashi Miikes feministischen Splatterfilm „Audition“ oder den nicht minder drastischen Liebesfilm „The Isle“ von dem Koreaner Ki-Duk Kim. Derartige Filme, die sowohl thematisch als auch ästhetisch die Grenzen des gewöhnlichen Kinobetriebs sprengen, sind durchaus repräsentativ für das Programm von R.E.M., wo man „immer auf der Suche nach dem, was einen fordert und weiterbringt“ ist, so Holl. Aber es gibt durchaus auch leichtere Kost – vor Genre- und Trashfilmen schreckt man bei R.E.M. nicht zurück. Solange die Filme einen eigenen Ansatz erkennen lassen bzw. dem jeweiligen Genre etwas neues einhauchen, darf „auch mal ein Partymovie“ im Programm auftauchen. Das gilt vor allem für den Video- und DVD-Bereich, der zur Zeit mit Hilfe neuer Vertriebspartner ausgebaut wird. Dort wird demnächst auch der Bollywood-Film „Sometimes Happy, Sometimes Sad“ erscheinen. Das indische Epos mit vielen Tanz-, Gesang- und vor allem Heulszenen war dank R.E.M. im Frühling dieses Jahres der erste in Deutschland adäquat gezeigte Film seiner Art. Das ein vierstündiges „Musical“ aus Indien hier trotzdem nicht zu den Kassenschlagern zählt, verwundert aber niemanden. Finanzierbar sind solche Liebhaber-Eskapaden nur durch sekundäre finanzielle Unterstützung. Neben der Filmstiftung NRW, ohne die sich der Verleih nach eigenen Angaben nicht hätte etablieren können, trägt sich das Unternehmen mit Hilfe von Fernsehlizenzen. Vor allem der WDR ist da ein verlässlicher Partner: die Finanzierung von „Dolls“ war nur mit einer gleichzeitigen Zusage des Kölner Senders, die Fernsehrechte zu erwerben, möglich. So ist neben dem Kinoverleih und dem Video/DVD-Markt das Fernsehen das dritte Standbein von R.E.M., das hoffen lässt, dass dieser kleine, spezialisierte Verleih den großen aber meist profillosen Filmverleihen auch auf Dauer Paroli bieten kann.
Christian Meyer

Zuerst erschienen: Zeitung der Kunstfilmbiennenale Köln 2003

Schorsch Kamerun zu „Golden Lemons“

Rockerdialog: Wen interessiert das noch?

Nach gut 20 Dienstjahren gibt es die Goldenen Zitronen erstmals im Kino zu sehen. Ihre US-Tour als Vorgruppe des schizophrenen und autistischen Musikers Wesley Willis bildet den Rahmen für den Tourfilm ‚Golden Lemons’. Regisseur Jörg Siepmann begleitete die Band knapp zwei Wochen durch die Provinzstädte des Westen der USA und liefert ein Portrait der Band unter diesen ungewöhnlichen Bedingungen. Ganz glücklich sind die mit dem Film jedoch nicht. Gründungsmitglied Schorsch Kamerun erläutert warum.

De:Bug: Eindeutige, sichere Zustände interessieren Euch anscheinend nicht. Als deutlich links positionierte politische Punkband tourt Ihr durch die eher konservativen Provinzstädte des US-Amerikanischen Westens. War das eine bewusste Entscheidung für einen Konfrontationskurs?
Schorsch Kamerun: Es waren schon klar Subkultur- orientierte Umgebungen in denen wir dort aufgetreten sind. Insofern empfanden wir die unmittelbaren Auftrittsorte nicht unbedingt „konservativer“ als ein Kulturzentrum wie „die Fabrik“ in Hamburg- Altona. Konfrontationen durch unser Auftreten allein waren so vorab erstmal nicht angelegt. Es gab eher ein erstauntes Empfinden über unsere klareren politischen Statements (beispielsweise über den aktuellen Präsidenten), aber niemals eine verärgerte Reaktion.
De:Bug: Könnt ihr einschätzen, wie man Euch dort als Band wahrgenommen hat? Habt Ihr ein detaillierteres Feedback von den Leuten bekommen? Wart Ihr die verrückten Deutschen, die coolen Deutschen, oder war Irritation eher vorherrschend? Wie hat die Musik gewirkt? Der Film gibt darüber nicht so recht Aufschluss…
SK: Das scheint mir eines der Probleme des Films zu sein. Er interessiert sich nicht weiter für die direkten Reaktionen die wir beim Publikum auslösten. Das heißt er ignoriert weitestgehend die kommunikativen Erlebnisse zwischen den Leuten vor Ort und uns- nach, aber auch während der Auftritte. Es gab viele spannende Gespräche mit den unterschiedlichsten Leuten, breit gefächert über Themen aus meist subkulturellen und politischen Bereichen, die der Film komplett auslässt.
Unser musikalisches Auftreten schien mir in seinem „realen Moment“ am überraschendsten zu wirken für das Publikum. Ich glaube wir sind als europäische Band weit weniger vordergründig eine „Show“ als vergleichbare Acts, wie vielleicht Jon Spencer o.Ä.
De:Bug: Wie habt Ihr den Spagat zwischen den Polen ausgehalten, als Vorgruppe des schizophrenen Musikers Wesley Willis einerseits Teil eines lobenswerten ‚Projektes’ zu sein (vgl. Phänomen ‚Station 17’), andererseits Euch aber auch immer wieder wie in einer unangenehmen Freakshow vorzukommen, wo man nicht mehr weiß, wer hier mit und wer über Willis lacht?
SK: Man muss schon ziemlich genau hin schauen bei dem Phänomen Wesley Willis. Er ist ziemlich komplex. Er ändert auch des Öfteren seine Positionen. In seinem Grundwesen ist er aber mit Sicherheit ein durchaus friedliebend ausgerichteter Zeitgenosse. Die Konzert bestimmenden „Fun- orientierten“ Reaktionen der Leute, vornehmlich bei den rüpelhaftesten Passagen seiner Vorstellungen (inklusive seiner Kopfnussrituale), sind für mich aber auch nicht immer voll zu verstehen. Es gilt zu bedenken das er meist in einer eigentlich recht eindeutigen Hardcore- Szene stattfindet.
De:Bug: Eine inhaltliche Auseinandersetzung war mit WW bzw. seinem Manager wohl nicht zu führen bzw. wäre wohl auch fehl am Platz gewesen. Im Film kommt mehrmals und an exponierter Stelle der Bin Laden Song vor, so dass man fragen muss, wie Ihr Euch dazu verhalten habt? Da klingt ja EIGENTLICH ein unangenehmer Patriotismus mit. Wie geht man damit um, wenn das von einem Menschen wie WW kommt?
SK: In dem man ihn ganz direkt fragt, was genau er mit diesem Lied sagen will. Es gibt aber kein klares Bild einer Antwort. Ich selbst habe ihn exakt diesen Song schon sehr unterschiedlich interpretieren hören. Textlich bleibt die reduzierte Ebene von: der Böse hat das Schlimme angerichtet und darum ist er ein Arschloch und deshalb man sollte Dieses und Jenes mit ihm anstellen. Anderseits denkt Wesley im Genaueren, allein schon durch seine Prägung (er war Zeuge schwerer Gewaltverbrechen), ein ganz feines Nachdenken über Gewaltausübung. Im besten Fall nehme ich solche brachialen Texte deshalb als (wie auch immer zu bewertenden) „Style“ wahr.
De:Bug: Der Film zeigt Euch sehr offen in Bezug auf Eure Konflikte untereinander und Eure inneren Konflikte. Wie empfindet Ihr diese Offenheit, wenn Ihr den Film seht?
SK: Das wäre im Grunde Okay mit uns. Wir finden nur, dass der Film an diesen Stellen sehr populistisch wiedergibt, wenn es um die Interna der Band geht. Außerdem ist das wirklich unverständlich schwach klischiert wenn man Bilder ausstellt, wo sich Gitarrist und Sänger über zu laute Verstärker streiten. Das gibt es zwar, aber wen interessiert das noch?
De:Bug: Ihr seid mit dem Bild, dass der Film von Euch zeichnet, nicht sonderlich zufrieden. Was gefällt Euch nicht an Eurer Darstellung im Film, was wäre Euch in einem Film wichtiger gewesen?
SK: Wir haben diese Tournee zu sagen wir 50% anders empfunden als der Film das wieder gibt. Er lässt völlig aus wie sich unsere Band in der besonderen Situation präsentiert hat in der wir uns befanden in den USA. Es gab unendlich viele Kontakte, Gespräche, Diskussionen, aber auch diverse persönliche Erlebnisse mit Leuten vor Ort. Das fehlt extrem für eine halbwegs adäquate Wiedergabe. Stattdessen sieht man Massen ästhetisierte Szenen von melancholischen Musikreisenden die traurig aus dem Tourbus sinnieren. Der Film sollte in dieser Form zumindest nicht so heißen wie die Band. Unser Problem ist nun, das wir den Film handwerklich als nicht ungelungen empfinden. Nur ignoriert er zu großen Teilen unsere Anliegen im Allgemeinen und noch mal mehr im Speziellen die dieser USA- Reise.
(Bundesstart von Golden Lemons: 28.8.2003)

Zuerst erschienen in De:Bug 09/2003

„Der Sohn“ von Jean-Pierre und Luc Dardenne

Olivier arbeitet als Meister in einer Schreinerei für schwer erziehbare Jugendliche. Von seiner Frau lebt er getrennt, der gemeinsame Sohn wurde vor 5 Jahren bei einem Raubmord erwürgt. Dann komm Francis neu in die Werkstatt: er ist der Mörder von Oliviers Sohn!

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Der Plot von „Der Sohn“ klingt schwer nach Krimi. Tatsächlich sieht der Zuschauer aber eine merkwürdige Melange aus Suspense á la Hitchcock und einer schlichten Fernsehreportage. Das auseinander zu bröseln ist gar nicht so einfach: das simple Setting der Schreinerei und der Wohnung Oliviers, versetzt mit einigen Außenaufnahmen, liefert wahrlich keinen geeigneten Hintergrund für Psychospiele. Olivier, ein zunächst so unglaublich gewöhnlicher, fast langweiliger Mensch, auch nicht. Entscheidend ist hier wieder ein mal nicht das ‚was’, sondern das ‚wie’! Olivier Gourmet stattet die Figur Oliviers mit einer inneren Unruhe und einer äußeren Hast aus, die ihn zunehmend zum sichtbar Getriebenen macht. Verstehen kann man das erst mal nicht. Genau darum verunsichert es einen. Wenn man dann die Hintergründe erfährt, ängstigt es einen. Olivier Gourmet spielt vollkommen grandios – weniger als das Superlativ ist da nicht drin!
Die klaustrophobische, extrem aufdringliche Nähe der Kamera, die den Figuren regelrecht zu Leibe rückt, steigert diese (An-)Spannung ins unermessliche. Die Kamera beobachtet akribisch genau. Trotzdem bleibt fast alles im Offenen. Dies Paradox ist eine große, wohltuende Kunst! Was warum passiert bzw. warum die Personen handeln, wie sie handeln, könnte man wahrscheinlich auch kaum erklären, selbst wenn man wollte. Doch gerade dadurch, dass nur gezeigt wird, eröffnet der Film eine immens große Projektionsfläche für den Zuschauer. Die kann und soll er füllen. Und nicht nur er, denn selbst die Regisseure, die Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne („Rosetta“) – lange Jahre waren sie Dokumentarfilmer – sind sich des Spektrums ihres Films anscheinend nicht ganz bewusst. Nach 11/2 Jahren Arbeit stellen sie in den Arbeitsnotizen fest:“ Der Film heißt „Der Sohn“. Er könnte auch heißen „Der Vater““.
(Bundesstart: 12.6.2003)