„Letters from Iwo Jima“ von Clint Eastwood

Gut gemeint ist es auf jeden Fall. Besser sogar. Clint Eastwood zeigt nach seiner anscheinend (von mir leider noch nicht gesehenen) Demontage des Kriegsheldentums in „Flags of our Fathers“ nun die andere Seite des Kriegs um die japanische Insel Iwo Jima. Es ist schon mal sehr bemerkenswert, dass soetwas aus einem Land kommt, in dem man gerne gute ausländische Filme noch mal auf ‚amerikanisch‘ (das meint nicht nur die Sprache) dreht, um sie erst dann dem einheimischen Publikum vorsetzen zu können …

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Premium ready

Im Rückblick: Mein Lieblingshasswort in 2006 war Premium. Als Beobachter von Werbetexten im unteren Qualitätsbereich, z.B. als regemläßiger Leser von Aldi-Werbeheftchen, kann man sich ja an allerschönstem Unsinn erfreuen, je nach Charakter auch darunter leiden. Neben Bonmots wie „jetzt noch knusper knusper“ zu Cornflakes oder „echte wahnsinnige 1,6 Mhz“ im Laptop war im letzten Jahr die unaufhaltsame Entsinnung des Wortes „Premium“ zu verfolgen. Als Wischiwaschi-Kennzeichnung für angeblich besseres, also selbstverständlich teureres ist dem Begriff natürlich eine große Karriere im Kapitalismus in die Wiege gelegt. Das hört aber keinesfalls bei den Internetpräsenzen von Magazinen auf, die neben ihren im Rückschluss anscheinend schlechteren Texten auch „Premiuminhalte“ anbieten. Das gipfelt nun sogar in der Bezeichnung „Premium ready“ für einen Windows Vista PC, der nicht nur sofort einsetzbar ist, sondern noch sofortiger. Könnte mir das mal bitte jemand auf einer Zeitachse genauer erklären?

Der Wixxer unwixxig

Heute war die Pressevorführung zum zweiten Wixxer-Film, danach gab es noch eine große Pressesause mit den Beteiligten Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka, Christiane Paul, Helmut Zerlett u.a. Nachdem ich mir den ersten geschenkt hatte, weil ich dachte, dass ist eh nur deutsches TV-Comedy Format fürs Kino aufgeblasen, bin ich diesmal hingegangen, obwohl es tatsächlich genau das Befürchtete ist …

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„Enron – The Smartest Guys in the Room“ von Alex Gibney

Vor zwei Jahren porträtierte der deutsche Regisseur Klaus Stern mit seinem Film Weltmarktführer – Die Geschichte des Tan Siekmann die Firma Biodata und seinen Manager, das ein klassisches Beispiel für die aufgeblähte New Economy lieferte, die abstrakte Millionen- und Milliardengeschäfte abwickelte, bevor sie wie ein Ballon zerplatzte …
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(Bundesstart: 25.1.2007)

Zuerst erschienen in Filmstart 01/07

Filmförderung in Deutschland: Der schwierige Spagat

Sparmaßnahmen im Kulturbereich sind seit Jahren an der Tagesordnung – auch beim Film. Doch Anfang 2007 ist ein neues Produktionskostenerstattungsmodell in Kraft getreten, mit dem zusätzlich zu den bisherigen Filmförderungsmaßnahmen jährlich 60 Millionen Euro für Produktionen in Deutschland zur Verfügung gestellt werden …
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Zuerst erschienen in Filmstart 02/07

„American Hardcore“ von Paul Rachman

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Dies vorweg: American Hardcore ist kein Porno! American Hardcore arbeitet die Geschichte des amerikanischen Hardcore-Punks auf.

Punk ist ja in New York entstanden, mit schlichten schwarzen Lederjacken und zerschlissenen Jeans wurden Drei-Akkord-Stücke in zwei Minuten von den Ramones und anderen runter gedroschen. Irokese, Bondagehosen und die Sex Pistols waren die modische Version für England. Während dort der Post-Punk ebenso artifiziell fortgeführt wurde, entstand in den USA Ende der 1970er Jahre der so genannte Hardcore …

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zuerst erschienen in Filmstart 12/06

„Brinkmanns Zorn“ von Harald Bergmann (Interview)

Der Nachlass des Kölner Schriftstellers Rolf Dieter Brinkmann besteht u.a. aus vielen Stunden Tonband- und Filmmaterial. Der Filmemacher Harald Bergmann wagt auf dieser Basis eine Annäherung…
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INTERVIEW MIT HARALD BRINKMANN:
Es gibt Szenen, da ist man über das Angebot der Bebilderung beglückt, in anderen möchte man zwischendurch eher die Augen schließen (und kann das ja auch machen), um die eigenen Vorstellungen in Gang zu setzten …

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„Lady Vengeance“ von Park Chan-wook

Racheengel

Wenn ein Verleih auf Mainstreampublikum setzt, dann heißt der Regisseur auf dem Plakat in der Regel nur noch „vom Regisseur von …“. In diesem Fall von „Old Boy“. Der Regisseur von „Lady Vengeance“ heißt im wirklichen Leben aber Park Chan-wook und hat bereits so außergewöhnliche Filme wie „Joint Security Area“, „Sympathy for Mr. Vengeance“ und eben „Old Boy“ gedreht…
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(Bundesstart: 10.1.2007)

Zuerst erschienen in choices 01/07

„Chansons D’Amour“ von Xavier Giannoli

Der alternde Chansonier Alain Moreau singt in wenig glamourösen Tanzsälen. Routine-Engagements bestimmen sein Leben. Da lernt er die junge Marion kennen und verliebt sich in sie.
Gérard Depardieu war in den letzten Jahren nicht gerade der überzeugendste Grund für einen Kinobesuch…
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(Bundesstart: 8.1.07)

Zuerst erschienen in choices 01/07

„Babel“ von Alejandro González Iñárritu

Im Jammertal

Der Meister der verschachtelten Erzählstränge hat mit Babel einmal mehr sein handwerkliches Können unter Beweis gestellt. Gutes Handwerk alleine würde Babel aber nicht zu dem ergreifenden Film machen, der er ist – da ist mehr…
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(Bundesstart: 21.12.06)

Zuerst erschienen in choices 12/06

„The Walking Man“ von Jiro Taniguchi
„Blue“ von Kiriko Nananan

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Neben den großen und populären Reihen, gibt es auch einen Manga-Underground mit spannenden Veröffentlichungen. Über den Kölner Vertrieb Atomax Merchandising sind nun einige interessante Bände zumindest auf Englisch erhältlich: Jiro Taniguchis „The Walking Man“ ist eine sonderbare Meditation über den modernen Alltag – der Zeit und Hektik vollkommen enthoben. Stattdessen: Ein Mann spaziert durch seine Nachbarschaft und beobachtet Kleinigkeiten, erfreut sich an Nebensächlichkeiten und lässt sich treiben. Es braucht etwas, bis man in die Stimmung hineinfindet, aber dann kann man sich an den filigranen Zeichnungen kaum satt sehen (Fanfare/Ponent Mon, 160 S., SC, s/w, 16,90 €).
„Blue“ von der jungen Künstlerin Kiriko Nananan geht zeichnerisch weniger ins Detail, erzählt ihre Geschichte um die zarte Liebe zweier junger Mädchen an Hand weniger Striche und starker Schwarz-Weiss-Kontraste. Das wirkt fast, als würden die Protagonistinnen mit ihrer Liebe in einem der Wirklichkeit enthobenen Raum schweben. Abstrakt, aber voller Gefühl (Fanfare/Ponent Mon, 232 S., SC, s/w, 23,90 €).

Zuerst erschienen in choices 1/06

„Princesas“ von Fernando León de Aranoa

Ohne Voyeurismus

Regisseur Fernando León de Aranoa sorgte vor drei Jahren mit „Montags in der Sonne“ für einen Überraschungserfolg. Die Geschichte um eine handvoll Freunde, die in einer spanischen Küstenstadt mit dem Schicksal der Langzeitarbeitslosigkeit zurecht kommen müssen, vereinte unsentimentalen Realismus mit einfühlsamem Humor. Mit seinem neuen Film „Princesas“ führt Aranoa diese Linie souverän fort…
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(Bundesstart: 4.1.2007)

Zuerst erschienen in choices 01/07