Filmförderung in Deutschland: Der schwierige Spagat

Sparmaßnahmen im Kulturbereich sind seit Jahren an der Tagesordnung – auch beim Film. Doch Anfang 2007 ist ein neues Produktionskostenerstattungsmodell in Kraft getreten, mit dem zusätzlich zu den bisherigen Filmförderungsmaßnahmen jährlich 60 Millionen Euro für Produktionen in Deutschland zur Verfügung gestellt werden …
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Zuerst erschienen in Filmstart 02/07

„American Hardcore“ von Paul Rachman

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Dies vorweg: American Hardcore ist kein Porno! American Hardcore arbeitet die Geschichte des amerikanischen Hardcore-Punks auf.

Punk ist ja in New York entstanden, mit schlichten schwarzen Lederjacken und zerschlissenen Jeans wurden Drei-Akkord-Stücke in zwei Minuten von den Ramones und anderen runter gedroschen. Irokese, Bondagehosen und die Sex Pistols waren die modische Version für England. Während dort der Post-Punk ebenso artifiziell fortgeführt wurde, entstand in den USA Ende der 1970er Jahre der so genannte Hardcore …

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zuerst erschienen in Filmstart 12/06

„Brinkmanns Zorn“ von Harald Bergmann (Interview)

Der Nachlass des Kölner Schriftstellers Rolf Dieter Brinkmann besteht u.a. aus vielen Stunden Tonband- und Filmmaterial. Der Filmemacher Harald Bergmann wagt auf dieser Basis eine Annäherung…
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INTERVIEW MIT HARALD BRINKMANN:
Es gibt Szenen, da ist man über das Angebot der Bebilderung beglückt, in anderen möchte man zwischendurch eher die Augen schließen (und kann das ja auch machen), um die eigenen Vorstellungen in Gang zu setzten …

„„Brinkmanns Zorn“ von Harald Bergmann (Interview)“ weiterlesen

„Lady Vengeance“ von Park Chan-wook

Racheengel

Wenn ein Verleih auf Mainstreampublikum setzt, dann heißt der Regisseur auf dem Plakat in der Regel nur noch „vom Regisseur von …“. In diesem Fall von „Old Boy“. Der Regisseur von „Lady Vengeance“ heißt im wirklichen Leben aber Park Chan-wook und hat bereits so außergewöhnliche Filme wie „Joint Security Area“, „Sympathy for Mr. Vengeance“ und eben „Old Boy“ gedreht…
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(Bundesstart: 10.1.2007)

Zuerst erschienen in choices 01/07

„Chansons D’Amour“ von Xavier Giannoli

Der alternde Chansonier Alain Moreau singt in wenig glamourösen Tanzsälen. Routine-Engagements bestimmen sein Leben. Da lernt er die junge Marion kennen und verliebt sich in sie.
Gérard Depardieu war in den letzten Jahren nicht gerade der überzeugendste Grund für einen Kinobesuch…
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(Bundesstart: 8.1.07)

Zuerst erschienen in choices 01/07

„Babel“ von Alejandro González Iñárritu

Im Jammertal

Der Meister der verschachtelten Erzählstränge hat mit Babel einmal mehr sein handwerkliches Können unter Beweis gestellt. Gutes Handwerk alleine würde Babel aber nicht zu dem ergreifenden Film machen, der er ist – da ist mehr…
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(Bundesstart: 21.12.06)

Zuerst erschienen in choices 12/06

„The Walking Man“ von Jiro Taniguchi
„Blue“ von Kiriko Nananan

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Neben den großen und populären Reihen, gibt es auch einen Manga-Underground mit spannenden Veröffentlichungen. Über den Kölner Vertrieb Atomax Merchandising sind nun einige interessante Bände zumindest auf Englisch erhältlich: Jiro Taniguchis „The Walking Man“ ist eine sonderbare Meditation über den modernen Alltag – der Zeit und Hektik vollkommen enthoben. Stattdessen: Ein Mann spaziert durch seine Nachbarschaft und beobachtet Kleinigkeiten, erfreut sich an Nebensächlichkeiten und lässt sich treiben. Es braucht etwas, bis man in die Stimmung hineinfindet, aber dann kann man sich an den filigranen Zeichnungen kaum satt sehen (Fanfare/Ponent Mon, 160 S., SC, s/w, 16,90 €).
„Blue“ von der jungen Künstlerin Kiriko Nananan geht zeichnerisch weniger ins Detail, erzählt ihre Geschichte um die zarte Liebe zweier junger Mädchen an Hand weniger Striche und starker Schwarz-Weiss-Kontraste. Das wirkt fast, als würden die Protagonistinnen mit ihrer Liebe in einem der Wirklichkeit enthobenen Raum schweben. Abstrakt, aber voller Gefühl (Fanfare/Ponent Mon, 232 S., SC, s/w, 23,90 €).

Zuerst erschienen in choices 1/06

„Princesas“ von Fernando León de Aranoa

Ohne Voyeurismus

Regisseur Fernando León de Aranoa sorgte vor drei Jahren mit „Montags in der Sonne“ für einen Überraschungserfolg. Die Geschichte um eine handvoll Freunde, die in einer spanischen Küstenstadt mit dem Schicksal der Langzeitarbeitslosigkeit zurecht kommen müssen, vereinte unsentimentalen Realismus mit einfühlsamem Humor. Mit seinem neuen Film „Princesas“ führt Aranoa diese Linie souverän fort…
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(Bundesstart: 4.1.2007)

Zuerst erschienen in choices 01/07

Musikbesessen: John Peels Memoiren

Nach seinem Tod wurde die Familie mit Briefen und E-Mails überhäuft, wurden Graffitis an Wände gesprüht und Plattenketten wie HMV und Virgin hielten Gedenkminuten ab oder spielten sein Lieblingslied „Teenage Kicks“ von den Undertones. Als er die Hälfte seiner Memoiren fertig gestellt hatte, erlag er 2004 einem Herzschlag.

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Der zweite Teil von „John Peel – Memoiren des einflussreichsten DJ’s der Welt“ (Rogner & Bernhard) stammt daher von seiner Frau Sheila und seinen vier Kindern. Munter in Erinnerungen hin und her springend, erzählen sie liebevoll, humorvoll und sehr rührend von einem einzigartigen Menschen, seiner Liebe zur Musik und seinen kleinen Macken.

„Departed – Unter Feinden“ von Martin Scorsese

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273 x ****

Der junge Polizist Billy Costigan soll sich bei dem Unterweltboss Costello einschleichen. Der hat mit Colin Sullivan aber schon längst einen seiner Leute bei der Polizei eingeschleust. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel.

Es ist eine ganz schlechte Angewohnheit Hollywoods, zu meinen, gute nicht-amerikanische Filme müsse man unbedingt in die eigenen Sprachen – also englisch und hollywoodianisch – übersetzen. Eine dumme Idee, die seit den 90er Jahren vor allem skandinavische und asiatische Filme trifft. Besser werden sie dadurch selten. Nur dem amerikanischen Publikum wird erspart, sich auf andere Kulturen einzustellen …

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(Bundesstart: 7.12.2006)

zuerst erschienen in choices 12/06

Holden: Idiots are winning

And the winner is: James Holden

Auf dem Cover Abstrakter Expressionismus, darin als Suchbild versteckt eine Windmühle. Da kommt man schnell auf die Idee, dass die gewinnenden Idioten des Albumtitels à la Don Quixote gegen Windmühlen ankämpfen. Was hat James Holden damit zu tun? Der ist Mitte zwanzig, studiert oder studierte Mathematik und ist das gefeierte Wunderkind des britischen Techno – niemand bezweifelt das. Vielleicht ist er der Idiot, der den Kampf gegen die Mühlen der Plattenindustrie gewonnen hat?

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Noch keine zwanzig Jahre alt, hat er bei dem Label Silver Planet einen äußerst ungünstigen Vertrag unterschrieben, weswegen er für die zehntausenden Platten, die er verkaufte, wenig Geld sah, keine Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern machen durfte und seinen Namen James Holden nur für Silver Planet verwenden durfte. Es dauerte einige Zeit, bis er da raus kam, sein eigenes Label Border Community gründete und als Holden seine damaligen, wahnsinnigen Erfolge als Trance-Produzent in größte Credibility als beeindruckender Technoproduzent ummünzen konnte. Denn eigentlich steht er gar nicht so sehr auf massenkompatiblen Trance, sondern mag ziemlich verquere Sounds, die zusammen mit den sich aufschraubenden rhythmischen Kleinteilen – man höre sich nur das wirbelnde „Corduroy“ an – deutlich an den Plastikman aka Richie Hawtin der frühen 90er Jahre erinnern beziehungsweise eine Brücke zwischen Kollegen wie Isolée, Ricardo Villalobos und Aphex Twin schlagen. Dabei entstehen nicht nur Tanzstücke, sondern auch verschroben-atmosphärische Soundgebilde, die mit verdrehten und verzerrten Klängen und rhythmischen Eskapaden spielen. Aber für den Club produziert er natürlich auch. Bereits auf seinem außergewöhnlichen DJ-Mix „At the Controls“ konnte man seine sagenhaften Tracks „Lump“ und „10101“ hören, die einen nicht nur mit spektakulären Sounds, sondern auch mit wunderschönen Melodien überwältigen. Ein Idiot? Hm… Gewonnen hat er mit seinem neuen Album auf jeden Fall.
(Border Community/PIAS/Rough Trade: VÖ: 17.11.2006)

Zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 12/06

VA: Pop Ambient 2007

Seit sieben Jahren schon beschert uns das Kölner Elektronik-Label Kompakt pünktlich zur Vorweihnachtszeit besinnliche Klänge. Hinter lieblichem Blumencover verbergen sich auch in diesem Jahr wieder Ambient-Tracks aus der Künstler-Armada des Labels.

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Ihren Beitrag zum Seelenfrieden leisten dieses Mal die Dauergäste Markus Guentner, Ulf Lohmann und Andrew Thomas, die Altmeister Thomas Fehlmann (ex Palais Schaumburg), Jörg Burger (The Moderinst) als Triola und Wolfgang Voigt persönlich unter seinem Alter Ego Gas. Daneben hören wir die jüngeren Protagonisten The Field, Marsen Jules und Klimek und den aufstrebenden Kölner Popnoname. Musikalisch neu ist hier gar nichts. Vielmehr gibt man sich wertkonservativ: es rauscht und wogt, dazu die Glöckchen klingeln. Aber so wollen wir’s ja auch – immer wieder, einmal im Jahr zumindest.
(Kompakt; VÖ: 20.11.2006)

Zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 12/06

Aki Kaurismäki: Lichter der Vorstadt

Der Mann ohne Zukunft

Koistinen ist ein Außenseiter. Von seinen Kollegen wird er gemieden, sein einziger sozialer Kontakt ist der Smalltalk mit Aila, der Frau von der Imbissbude. Als er Mirja kennen lernt, akzeptiert er sein Glück genau so selbstverständlich wie kurz darauf sein Unglück…
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(Bundesstart: 21.12.06)

Zuerst erschienen in choices 12/06

„Jackass 2“ von Jeff Tremaine

Es ist ein wenig kompliziert, eine Filmkritik zu schreiben über etwas, das im landläufigen Sinn kein Film ist. Belichtetes Filmmaterial, das schon. Aber eine Handlung, eine Geschichte, Dramaturgie und andere, spezifisch filmische Mittel werden schlicht und ergreifend ignoriert…
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(Bundesstart: 30.11.2006)

Zuerst erschienen in Filmstart 11/06

VA: Forever Changing – The golden age of Elektra Records 1963 – 1973

Hippie-Heaven

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Jac Holzman hat Anfang der 50er Jahre das Folk- und Blues-Label Elektra gegründet. In den 60er Jahren orientierte man sich im Zuge der aufkommenden Gegenkultur zunehmend an Folk- und Bluesrock, dann an Psychedelic und andere Extreme. Die 5-CD-Box „Forever Changing – The golden Age of Elektra Records 1963-1973“ deckt diese Zeit bis zum Ausstieg Holzmans mit über 100 Stücken von Judy Collins, Doors, Love, Tim Buckley, Nico, The Stooges, MC 5 und unzähligen Obskuritäten ab. Da braucht’s schon die Feiertage zwischen Weihnachten und Neujahr, um sich durch zu wühlen.
(Rhino; VÖ: 16.11.2006)

Beirut: The Gulag Orkestar

Zack Condon als Ein-Mann-Orchester

Dieses Balkan-Orchester heißt mit bürgerlichem Namen Zack Condon, was ja auch gut klingt. Aber der 20jährige kommt weder aus Beirut noch aus dem Balkan, sondern aus New Mexico. Das Interesse an osteuropäischer Musik erklärt Condon mit der russischen Herkunft seiner Großeltern. Seine Transformation dieser Folklore in einen für Independent-Rock Hörer kompatiblen Sound macht aus „The Gulap Orkestar“ aber etwas ganz einzigartiges.

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Schwer melancholisch und Vodka getränkt singt sich Condon mit zitternder, getragener Stimme, die zuweilen an das weinerliche Organ von Thom Yorke von Radiohead erinnert, die Seele aus dem Leib. Eine schmachtende Violine, glänzende Bläsersätze, eine Quetschkommode – das sind die Instrumente, derer Condon sich bedient. Die Percussion-Elemente haben einige Freunde aus New York beigetragen, eine naiv pluckernde Beatbox findet aber auch ihren Platz. So Unterschiedliches wie Arabesken, russische Polka, trunkener Blaskapellensound und Westler-Hippness treffen hier auf eine ganz eigene Art und mit größter Emotionalität aufeinander, dass man das Wort Authentizität weder gegen noch für diese Musik ins Feld führen mag.

Mitte der 80er Jahre, in Zeiten der Post-New Wave, als kaum jemand genau wusste, wo es nun lang gehen sollte, haben etliche Independent-Bands ihre Nische in der Adaption von Folklore gefunden, ohne allzu sehr in Hippie-Glückseligkeit zu verfallen. Die Pogues mischten Irish-Folk mit Punk, Violent Femmes kombinierten College-Rock mit amerikanischer Folklore, The Band of Holy Joy bastelten in England an einer märchenhaften Fusion und Camper van Beethoven verschmolzen ihre Punkattitüde damals schon mit Country und Balkansounds. Dass die kulturelle Entwicklung gewissen zyklischen Bewegungen unterworfen ist, ist ja bekannt. Und dass wir uns gerade wieder am Ende eines New Wave-Revivals befinden ebenfalls. Warum sich also über einen texanischen Jungen, der als Ein-Mann-Balkan-Orchester musiziert, wundern. Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen und ist weitaus mehr als ein Novelty-Gag.
(4AD / Beggars Group / Indigo; VÖ: 10.11.2006)

Zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 11/06

„Borat“ von Larry Charles & Sascha Baron Cohen

Der kasachische Journalist Borat Sagdiyev reist in die USA, um Kultur und Volk näher kennen zu lernen und die Erfahrungen nutzbringend für das eigene Volk zu verwerten. Der Abgesandte Kasachstans ist – das merkt man schnell – ein höchst charmanter und liebenswerter Rassist und Sexist…
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(Bundesstart: 2.11.06)

Zuerst erschienen in choices 11/06