Niobe: White Hats

Mit Niobes Platten weht immer ein Hauch Nostalgie ins Haus. Allerdings sind ihre Platten frei von allen problematischen Aspekten der Nostalgie. Yvonne Cornelius, wie sich die Künstlerin im richtigen Leben nennt, will nicht eine alte, vermeintlich bessere Zeit heraufbeschwören, indem sie historisches nachstellt. Ihren Stücken haftet stattdessen immer etwas Zerrissenes an.

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So wie auf dem Cover durch eine Collage mit ausgerissenen Motiven eine ungewöhnliche Spannung entsteht, so entsteht unter ähnlichen Bedingungen ein ganz eigentümliches changieren zwischen gestern und heute in ihren Songs. Verstaubte Platten von alten (Blues)-Sängerinnen sind das Gestern, elektronische Produktionsweisen und dekonstruktive Momente sind das Heute. „White Hats“, mit zahlreichen Gästen wie Wechsel Garland, liefert eine ungemein reiche Verbindung von beidem.
(Tomlab / Hausmusik, VÖ: 23.6.06)

zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 07/06

TV on the Radio: Return to Cookie Mountain

“Hoppla, jetzt kommen wir!” Soundwände türmt das inzwischen zum Quintett erweiterte Trio aus Brooklyn auf, dass einem fast hören und sehen vergeht. Aber hinhören sollte man auf jeden Fall, denn der Sound der Band, die gerne in einen Topf mit all den jungen Rock-Bands geschmissen wird, ist äußerst vielschichtig.

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Ein wenig erinnert ihre Experimentierfreude an die Liars. Doch wo jene sich gerade zunehmend von der Rockmusik verabschieden, nähern sie TV on the Radio mit ihrem neuen Album den rockigen Sounds enthusiastisch an. Das klingt dann stellenweise tatsächlich nach unbefangenem Glam-Rock (ach ja: David Bowie ist hier als Gast zu hören). Und wenn man stutzt, dass man zwischendurch auch The Sisters of Mercy rauszuhören glaubt, dann passt auch das, war doch der Post-Punk von Bands wie Bauhaus, Virgin Prunes oder eben den Sisters of Mercy stark vom Glam Rock beeinflusst.
(4 AD, VÖ: 30.6.06)

zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 07/06

The Nova Dream Sequence: Interpretations – A King Britt Project

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King Britts Hommage an die Erfinder von Techno

Für so einen wie King Britt gibt es im Deutschen schöne Ausdrücke: Tausendsassa etwa, oder noch illustrativer: Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Die Gassen des King Britt reichen von der HipHop-Road über die House-Street zur Techno-Alley. Letzteres ist sein jüngstes, eher untypisches Operationsgebiet.

Der aus Philadelphia stammende DJ und Produzent steht eigentlich vor allem für einen Sound zwischen HipHop, House, Soul und Funk. Angefangen hat er in den frühen 90er Jahren, als er zusammen mit seinem Freund Josh Wink Platten veröffentlichte und 1993 als E-Culture mit „Tribal Confusion“ sogar einen weltweiten Hit hatte. Für die inzwischen legendäre, jazzige HipHop-Formation Digable Planets war er außerdem zwei Jahre lang als Live-DJ unterwegs. Zuletzt erschien vor drei Jahren sein viel gefeiertes HipHop-Album „Adventures in Lo-Fi“. Und nun also Techno.

„The Nova Dream Sequence (Interpretations)“ riecht ein wenig – wie so gerne bei King Britt – nach Konzeptalbum. Alleine die Titel machen das schon klar: Dream 1 bis 15 findet man hier. Aber keine Angst. Es ist kein Ambient-Trance-Walgesänge-Trip, auf dem Britt hier wandelt. Vielmehr regiert ein knackiger 4/4-Beat, und auch die an- und abschellenden Sounds haben einige Kanten aufzuweisen. „Dream“ heißen die Stücke, weil sie angeblich Vertonungen und Interpretationen von Britts Träumen sind. Und auch musikalisch weisen sie durch ihren wogenden Aufbau trotz aller Stringenz und Schärfe eine verträumte, warme Qualität auf. Musikalisch rekuriert King Britt, der neben seiner Liebe für Soul, Funk und HipHop auch eine lange gehegte Vorliebe für elektronische Musik – von Kraftwerk zu Techno – hat, eindeutig auf Detroit und den dort entstandenen, stoisch maschinellen Maschinensound und Black Music vereinenden Techno. Derrick May, erklärtermaßen ein großes Vorbild für den Mann aus Philadelphia, darf dann auch gleich die Platte auf dem Frontcover mit seinen lobenden Worten schmücken. Und der Münchner Michael Reinboth darf sich freuen, das Werk auf seinem Compost Label veröffentlichen zu dürfen.
(Compost, VÖ: 30.6.06)

zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 07/06

Four Tet: DJ Kicks

Querfeldein-Mixe sind zwar auch nicht mehr so einzigartig, aber oft genug unterhaltsamer als Label- oder Genre-Sampler, und in der Ausführung eines Kieran Hebden aka Four Tet tatsächlich etwas ganz besonderes.

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Alleine die Mixtechnik ist jenseits des guten Handwerks, denn neben gemixten Übergängen finden sich hier häufig kleine eingespielte Synthie-Miniaturen von Hebden, dievon Individualismus (ganz zu schweigen von dem großartigen, exklusiv angefertigten Four Tet-Track „Pockets“) zeugen. Für die Auswahl gilt das sowieso: der großartige David Behrman leitet beinahe akademisch ein, während im Folgenden Cut-up-House, Free-Jazz, Soul, HipHop und vieles mehr sich die Hände reicht. Mit u.a. Curtis Mayfield, Akufen, Gong, Cabaret Voltaire, Autechre, Group Home, Animal Collective, So Solid Crew, Madvillain.
(!K7 / Rough Trade, VÖ: 23.6.06)

zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 06/06

Can komplett

Mit fünf weiteren CD-Veröffentlichungen ist die Reissue-Reihe der Kölner Band abgeschlossen

Die nicht nur in Köln, sondern weltweit legendäre Band Can hat zwischen 1968 und 1974 fünf großartige Alben und zwei Compilations veröffentlicht. Mit dem dritten Schwung der Remastered-Veröffentlichungen sind mit „Flow Motion“ (’76), „Saw Delight“ (’77), „Can“ (’79) und „Rite Time“ (’89) die letzten vier Alben der Band an die Reihe.

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Ganz klar kommen die Platten nicht an die früheren Meisterwerke heran. Doch ist es nicht nur interessant, wie Can zeitgenössische Entwicklungen wie Reggae, Disco und elektronische Popmusik in ihre Musik einflochten, sondern die eigentümlichen Soundlandschaften der Band sind auch hier immer noch faszinierend. Als kleine Perle erscheint außerdem das erst 1981 erschienene Album „Delay“ mit Material, das ursprünglich für das erste Can-Album geplant war. Und das ist wahrlich – ohne wenn und aber – ein großartiges Meisterwerk (Spoon/ 23.6.06).

zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 06/06

„Kippenberger – Der Film“ von Jörg Kobel

Alleine der Titel könnte schon vom Künstler selbst stammen. Martin Kippenberger hatte durchaus etwas übrig für billigen Humor und tief fliegende Witze – mit dem Filmtitel an eine Ebene anzudocken, die man vielleicht bei „Otto – Der Film“ erwartet, passt durchaus ins Programm des Künstlers. „Krieg böse“ lautet der Titel eines Bildes aus dem Jahre 1983, 1990 kalauert er schmerzhaft: „Was ist der Unterschied zwischen Casanova und Jesus: Der Gesichtsausdruck beim Nageln“. Gerne also auch geschmacklos, oft um die Ecke, beißend sozialkritisch. Das wilde Leben dazu führte er Atemlos. „Dieses Leben kann nicht die Ausrede für das nächste sein“. So gab er in diesem alles, bis er 1997 nichts mehr geben konnte und am Raubbau seines Körpers zugrunde ging.

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Der Film von Jörg Kobel versucht an Hand einiger Kommentare von Freunden und Bewunderern ein Bild von Kippenbergers Leben zu erstellen. Interviews mit seiner Galeristin Gisela Capitain, dem Direktor des Museum Ludwig, Kasper König (an Weiberfastnacht in Köln im Sträflingskostüm interviewt – das hätte auch Kippenberger gefallen), dem Popkulturkritiker Diedrich Diederichsen oder dem Kippenberger-Fan Christoph Schlingensief neben seiner letzten Lebensgefährtin, seinem besten Freund oder seinen beiden Schwestern lassen einen zwar wilden, provokanten und bissigen Menschen erkennen, ebenso aber auch eine sensible und empfindsame Person, die sicherlich besser austeilen konnte, als sie fähig war, Kritik einzustecken.

Die Interview-Beiträge sind nicht immer auf den Punkt gebracht, scheinen oft spontan, ohne große Vorbereitung entstanden zu sein. Das entspricht einerseits vielleicht der hastigen Produktivität Kippenbergers, lässt aber hier und da auch etwas Stringenz vermissen. Die Bedeutung für die Kunstwelt, dieselbe vor allem aus ihrer betulichen Selbstbezogenheit zu zerren, schimmert – vor allem durch Diederichsens ‚Kompaktseminar’ – trotzdem durch.
(Bundesstart: 15.6.2006)

Zuerst erschienen in Filmstart 06/06

Herbert: Scale

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Herbert verbreitet politisch-korrekt gute Laune

„Ehrlich gesagt bin ich von mir selbst etwas angepisst. Ich wollte eine fröhliche Pop-Platte machen, aber ich habe es nicht getan. Das geht einfach nicht, wenn Dick Cheney an der Macht ist.“ Der US-Amerikanische Vize-Präsident hätte es fast geschafft, aber irgendwie ist es dann doch die fröhliche Pop-Platte geworden. Mitgeholfen haben ein Kammerorchester und diverse Hörner, einige Vokalisten, darunter wie immer Matthew Herberts Lebensgefährtin Dani Siciliano, aber auch ein Anrufbeantworter, Meteoriten, Benzinpumpen und ein Tornado-Bomber.

Letztere sind signifikant dafür, dass Herbert nicht nur erneut das Sampling fremder Musik ablehnt und alle Sounds entweder spielt bzw. spielen lässt, oder aber Umweltgeräusche sampelt. Sie verweisen auch auf den hinter dem Klang lauernden Subtext dieser Platte, die abermals von einem Grundthema beherrscht wird. War es bei dem etwas schwerverdaulichen Vorgänger „Plat du Jour“ das Thema Nahrungsmittel, so ist diesmal das Öl an der Reihe. Beides politisch aufgeladene Themen, an Hand derer man Fragen zu Globalisierung und Verteilungskämpfen stellen kann.

Musikalisch lässt Matthew Herbert auf „Scale“ einige seiner Projektabteilungen näher zusammenrücken. Sein ‚Pseudonym’ Herbert stand immer für House, und den findet man alleine schon in den Beats. Aber auch Jazz- und Big Band-Elemente, wie man sie von Matthew Herberts Big Band kennt, finden Einlass in die Musik. Und nicht zuletzt die rhythmischen Finessen von frühen Projekten wie Radio Boy und Wishmountain sorgen für Spannungsreiche Momente. Die Annäherung an Popmusik ist auf „Scale“ jedoch in seiner bislang deutlichsten Form vollzogen, ohne dass man Herbert damit Radiokompatibilität vorwerfen müsste. Auf besseren Sendern würden allerdings sowohl die balladeskeren Momente als auch die Housetracks ihren Platz finden. Denn kopfgebürtig oder grüblerisch klingt die Musik bei allem gedanklichen Unterbau keineswegs. Ehrlich gesagt, sind wir von der neuen Platte von Matthew Herbert mal wieder alles andere als angepisst.
(Accidential / !K7, VÖ: 26.5.06)

zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 06/06

Lithops: Queries

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Jan St. Werner kennt man vor allem von Mouse on Mars. Neben seinem Projekt Microstoria (zusammen mit Markus Popp von Oval) veröffentlicht er außerdem solo als Lithops. „Queries“ versammelt bislang unveröffentlichtes Material aus den Jahren 1995 bis 1999 und drei vergriffene Vinyl-Veröffentlichungen aus dieser Zeit. Die kleinteiligen Stücke sind mal frei und ohne Beat organisiert, mal rhythmisch sehr komplex strukturiert und auch mal richtiggehend ravig. Und Humor kann man diesen Queries bei aller Sperrigkeit sicherlich auch nicht absprechen.
(Sonig / Rough Trade, VÖ: 2.6.06)

zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 06/06

The Who – Under Review (DVD)

Sicherlich war der legendäre Auftritt von The Who in der Smothers Brothers TV-Show mit „My Generation“ eine Inspiration für die Punkbewegung.

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Nicht nur Pete Townshends musikalische Gitarrenattacken waren beeindruckend, auch die Tatsache, dass die raue Mod-Band ihre Instrumente stilsicher zerlegte, war imposant. Die DVD verfolgt die Band von der Frühzeit um 1964 bis 1968, kurz bevor sie mit einer Rockoper wie „Tommy“ überkandidelt wurden. Archivmaterial und Kommentare von Zeitzeugen und Musikkritikern komplettieren das Bild.
(Chrome Dreams)

Captain Beefheart – Under Review (DVD)

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Captain Beefheart und seine Magic Band waren eines jener seltenen musikalischen Ereignisse in der Geschichte der Popmusik, das zwar in seinen Einzelteilen auf Vorheriges zurückzuführen ist, in seiner Gesamtheit aber absolut einzigartig war: Beefhearts unnachahmliche Blues-Stimme, der hohe Abstraktionsgrad ihrer freien, von improvisierter Musik beeinflussten Rockmusik, aber auch Beefhearts Ego-Trips sind das Thema dieser gelungenen Doku, die auch Beefhearts künstlerische Tiefpunkte in der Mitte der 70er Jahre nicht verschweigt. Wie alle DVDs der Reihe erscheint auch diese nur in englischer Sprache.
(Sexy Intellectual)

New Hollywood – Next Generation

Das übermächtige Hollywood-System der großen Studios ist dick und träge. Erfolgsrezepte werden hier gerne besonders lange tot geritten. Kein Wunder also, dass nun wieder kleineren Filmen, die Anderes wagen, mehr Erfolg zuteil wird.
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Zuerst erschienen in Filmstart 04/06

„Aus der Ferne“ von Thomas Arslan

„Eine Reise durch die Türkei“ lautet schlicht der Untertitel von Thomas Arslans neuem Film, und genau so schlicht ist der Film selbst. Es ist ein ruhiger Film, und er ist sehr offen angelegt.
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(Bundesstart: ??.??.2006)

Zuerst erschienen in choices 04/06

Scott Walker: The Drift

Höchstens alle zehn Jahre macht Scott Walker eine Platte, seit er Mitte der 60er Jahre mit der ‚Boy Group’ The Walker Brothers ein existentialistischer Teenie Star wurde und danach Ende der 60er schnell hintereinander fünf Soloalben veröffentlichte.

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„The sun ain’t gonna shine any more“, der Titel einer der Nummer 1-Hits der Walker Brothers, trifft die Stimmung des neuen Albums des 63Jährigen am ehesten. Neue Musik, Industrialsounds, Elektronik und ein theatralisch hoher Gesang vermischen sich zu einem ergreifenden Horrortrip, der sich mühelos einreiht zwischen Furcht einflößenden Platten wie Tim Buckleys „Lorca“; Nicos „Marble Index“, Goblins Soundtracks für Dario Argento oder SPKs „Leichenschrei“. Ein harter Brocken, der die Mühe lohnt.
(4AD, VÖ: 5.5.06)

zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 05/05

Barbara Morgenstern: The Grass is always greener

Elektro-Pop Uff! Das ist erst mal harter Tobak, den Barbara Morgenstern uns mit dem Opener anbietet. Schlager, möchte man abwehrend ausrufen, was vor allem an dem glatten Gesang liegt. Gibt man der Platte aber eine Chance, dann merkt man schnell, dass die erste Einschätzung der Musik so gar nicht gerecht werden will.

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Schon der zweite Track „The Operator“ schielt mit schwungvollem Elektro-Pop auf die Tanzfläche. Über diesen Umweg findet man dann auch zu dem Rest der Platte, der vor allem zwischen balladesken Momenten und langen Instrumentalpassagen pendelt. Vor allem letztere zeigen Morgensterns Künste, mit viel Piano (oder dem wunderbar warmen Sound ihrer Orgel), ungewöhnlichen Harmoniefolgen und ein wenig Electronica-Geknister gefühlvolle, intelligente Musik zu kreieren – auch wenn man manchmal zurückschreckt vor der Direktheit und dem sorglosen Umgang mit vermeintlich Peinlichem.
(Monika / Indigo, VÖ: 21.4.06)

Ziggy Kinder: Akrobatik

Mit seiner ersten Maxi „Mikro Tanz“ hat der Kölner Ziggy Kinder Ende 2004 direkt für Furore gesorgt, war die gelungene Mischung von Verschrobenheit, Pop und Rockertum doch sehr überzeugend.

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Nach zwei weiteren Maxis für Ware kommt nun schon das erste Album, und sein Rezept geht nach wie vor auf. Ebenso fluffig wie knarzig, smart wie schiebend, hakend wie rollend, bewältigt Ziggy Kinder das Langformat mit offensichtlicher Freude und hat wieder einige potentielle Hits auf der Liste. Für CD-Käufer sind noch mal 3 Stücke (u.a. der grandiose „Glücksbotenstoff“ und der charmante „Probanden Tanz“ von „Mikro Tanz“) der bisherigen Maxis enthalten.
(Ware/Kompakt, VÖ: 2.5.06)

Phantom Ghost: Three

Electro-Pop Das dritte Album des Seitenprojekts von Dirk von Lowtzow (Tocotronic) und Thies Mynther (Stella, Superpunk u.a.) ist ruhiger denn je. Tanzmusik, auch gedämpft-kontemplative, findet man auf „Three“ weniger.

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Ruhige Arrangements mit viel Klavier, ein wenig Akustikgitarre und äußerst zurückhaltende Rhythmik kennzeichnen die neun neuen Stücke. Über all dem liegt sehr präsent Lowtzows Gesang, der ruhiger und melodischer ist als bei Tocotronic. „Relax it’s only a ghost“! Der Titel des zweiten, wunderschönen Stücks schwebt über diesem entspannten Album. Kein Spukgeist treibt hier sein Unwesen, sondern ein poetisch wuselndes Phantom, das zarte Lieder singt und auch mal von Hexen erzählt: Im letzten Track wird Willow besungen, die süße Hexe aus der ober-referentiellen Fantasyserie „Buffy“.
(Lado/SPV, VÖ: 28.4.06)

Kollektion Ignatz

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 Der italienische Künstler Igort („5 ist die perfekte Zahl“) hat den Stein ins Rollen gebracht, und im Moment scheint er auch gut weiter zu rollen: Nachdem Igort zusammen mit David B. beim intimen Tee-Besäufnis beschlossen hat, eine „offene, erfrischend neue und poetische Sichtweise auf die Realität zu erfinden“, war auch schnell eine passende Produktionsform gewählt.

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Diverse: Japan as viewed by 17 creators

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Der Kulturaustausch unter Comicschaffenden steht hoch im Kurs: Gerade erst erschien bei dem Berliner Avant-Verlag der Band „Cargo“ mit Geschichten von durch Deutschland reisenden Israelis und durch Israel reisenden Deutschen, da werden auch schon Franzosen nach Japan geschickt, um dort die Kultur zu erkunden. Neun französische Autoren und Autorinnen sind nach Japan gereist, um dort ihre Erlebnisse und Erfahrungen im fernen Osten in Kurzgeschichten fest zu halten. Im Gegenzug wurden acht japanische Zeichner – nein, nicht nach Frankreich geholt, sondern sie wurden angehalten, auch ihren Blick auf Japan festzuhalten.

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V/A: Dirty Diamonds 3

Zum dritten und Gerüchten zu Folge letzten Mal hat das D*I*R*T*Y Soundsystem aus Paris eine Zusammenstellung vorgelegt, die sich jeglicher Kategorisierung entzieht.

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Vage Kriterien für die Auswahl sind wie auch schon bei den beiden vorherigen Compilations eine konzentrierte Eleganz und ein morbider, dekadenter Unterton. Diese Verbindung transportieren auch die nachgestellten, klassischen Gemälde auf den Covern. Dieses Mal sind es gar zwei CDs geworden, auf denen wie immer Unbekanntes und überraschend Bekanntes, Rock, Elektronik, Disco, E-Musik u.a. von 1962 bis 2005 in einer ungewöhnlichen Verbindung zu ganz eigenen Effekten führt. Mit dabei: Animal Collective, Robert Wyatt, Mazzy Star, Cristian Vogel, Kevin Ayers, Brooks, Flash and the Pan, Soft Cell, Nico, Ennio Morricone, Supermax u.a.
(Diamond Traxx/Discograph, VÖ: 14.4.06)